Zum Abschied noch ein Unfall

Kleiner Hund mit Pfotenverband

Kurz nach dem Aufwachen ist Yayo noch ratlos

Noch drei Tage bis zu seiner Abreise, da passierte dem kleinen Yayo ein Unfall. Beim Ausflug ins Gelände mit Freigang für alle muss er mit der Wolfskralle im Gestrüpp hängen geblieben sein und hat sich die Kralle angebrochen. Es half nichts – wir mussten „amputieren“. Ohne Kurznarkose ging es leider nicht, aber jetzt, 8 Stunden später, ist Yayo schon wieder ganz der Alte. Er hat sogar eingesehen, dass man entgegen seiner früheren Überzeugung mit Pfotenverband laufen kann.

Hund Wolfskralle

Eine abbe Kralle… oder wie sagt man?

Es war nicht das erste Malheur, denn der kleine Ratero-Mix war bei seinem Umzug von der Tötungsstation Son Reus in die Villa Bunter Hund nicht stubenrein, und es passieren weiterhin gelegentlich Unfälle. Und sogar Blut floß schon: Es gab mehrmals Bißverletzungen, und wir rätseln weiterhin, warum er sich gelegentlich durch Hände bedroht fühlt und schnappt. Nach so vielen Pflegehunden ist das mal eine neue Erfahrung für uns. Yayo ist kein einfacher Hund, aber ein ausgeprägter Charakter. Auch er wird seinen Menschen finden, mit dem er glücklich wird, und über seine negativen Erfahrungen heraus wachsen.

 

Weihnachten für alle

Ho ho hoh! Weihnachten kommt wie jedes Jahr völlig überraschend, und bei vielen Leuten zeichnen sich Schweißtropfen auf der Stirn ab: Noch immer fehlen jede Menge Geschenke für die mehr oder weniger Lieben. Warum nicht mal das Nötige mit dem Positiven verbinden, warum nicht zum Fest der Liebe durch ein Geschenk anderen helfen?

Tanja mit ihrem Hund Cocco

Tanja verzichtet aufs Weihnachtsgeschenk, damit auch andere Hunde es dauerhaft warm und gemütlich bekommen wie ihr Cocco

So wie Tanja Z. das machte, die in wenigen Tagen als Flugpatin Yayo in sein neues Leben begleitet. Als ihre Mutter sie nach Wünschen fragte, entschied Tanja: „Ich habe weiß Gott genug Zeug… Da kann ich mal locker verzichten“, und bat ihre Mutter um eine Spende für den Tierschutz: „Ich hoffe, dass einem süßen Hund damit geholfen werden kann!“ Danke! Darum kümmere ich mich gerne, zusammen mit Stefanie vom in Gründung befindlichen Verein „Seelenhunde Mallorca“, über den ich bald mehr berichten werde.

Auch Mitgliedschaften bei Tierschutzvereinen sind tolle Geschenke – ob beim kleinen Verein wie z.B. „Seelenhunde“, der auf Mallorca Hunde aus den Tötungsstationen rettet, oder bei großen Organisationen wie zum Beispiel Ärzte gegen Tierversuche, wo man online Geschenkmitgliedschaften abschließen kann.

Regelmäßige Zahlungen sind auch willkommen, um Patenschaften zu übernehmen – etwa für einen der vielen unvermittelbaren Hunde in kleinen Vereinen (Tierschutzvereine auf Mallorca finden Sie hier) oder für Katzenfutterstellen, die hier auf Mallorca von vielen Privatpersonen unterhalten werden. Dort werden die halbwilden Samtpfoten nicht nur gefüttert, sondern auch kastriert und medizinisch versorgt (Kontakte über mich).

Frohe Weihnachten!

All diese Vereine und Engagierten freuen sich natürlich auch (nicht nur zu Weihnachten) über Sachspenden. Ob Futter, Medikamente oder Decken gebraucht werden, fragen Sie am besten vorher telefonisch an. In so manchem kleinen Tierheim liegen Dutzende von Hundemäntelchen herum, während das Geld etwa für Parasitenschutz fehlt.

Sie sehen, es gibt viele gute Ideen, um schöne und vor allem sinnvolle Geschenke zu machen. In diesem Sinne wünschen wir ein friedvolles, frohes Fest.

 

Hat mein Tier Schmerzen?

„…aber ich glaube nicht, dass es ihm weh tut.“, höre ich nicht selten in meiner Tierheilpraxis. Und das im Zusammenhang mit einem humpelnden Hund. Meine Standard-Antwort lautet dann natürlich: „Warum, glauben Sie denn, dass er hinkt?“

Charly Rückenlage

Seine entspannte Körperhaltung signalisiert: Charly geht es richtig gut. Bei Schmerzen würde er sich nicht so hängen lassen.

Hat ein Hund Schmerzen oder nicht? Beim Bewegungsapparat ist das noch recht einfach auszumachen. Humpelt der Hund, will er instinktiv eine schmerzende Extremität  entlasten. Nur ganz selten gibt es mechanische Beeinträchtigungen, die das Gangbild verändern. Eine Lahmheit muss aber nicht unbedingt aus einem Beingelenk stammen, es ist häufig die Ursache im Rücken zu finden. Mittels Palpation sollte der Tierarzt oder Tierheilpraktiker die Wurzel des Übels ausmachen. Eventuell muss die Diagnose durch Röntgen oder andere bildgebende Verfahren abgesichert werden.

Aber es können ja neben Rücken und Gelenken ganz andere Körperteile weh tun. Der Hund kann sich aber nicht äußern wie wir: „Mein Bauch schmerzt, unten rechts.“ Er spricht eine andere Sprache, und es liegt an uns, seine Zeichen zu deuten.

Hinweise auf Schmerz finden Sie durch Beobachtung Ihres 4beinigen Lieblings. Folgende Abweichungen von seinem normalen Verhalten können auf ein Leiden hindeuten:

  • Inaktivität, Bewegungsunlust
  • fehlender Appetit
  • Abwehrreaktionen beim Anfassen
  • plötzliche Aggressionen gegen Artgenossen
  • Unruhe oder Rastlosigkeit, auch nachts
  • Sich-Zurückziehen
  • Belecken oder Beknabbern von einzelnen Körperteilen
  • Winseln oder Fiepen
  • Auffälliges Hecheln, ungewöhnliche Atmung
  • Schmatzen oder ums Maul lecken
  • Gestresster oder ängstlicher Ausdruck
  • Aufgekrümmter Rücken
  • Harte, gespannte Bauchdecke
  • Angespannte Körperhaltung
  • Hinken, Humpeln
  • Steifer Gang

Bei einer plötzlichen Wesensveränderungen des Tieres kann ein heftiger, plötzlicher Schmerz die Ursache sein. In diesem Fall sollten Sie nicht warten, sondern sich schnell an professionelle Hilfe wenden.

Schwieriger sind leichte Schmerzzustände, die sich allmählich entwickeln. Manch Tierhalter erkennt die Qualen seines 4beiners erst nach dessen Heilung oder unter Schmerzmedikation. Ganz typisch ist dann folgende Aussage: „Der ist wie früher, der wirkt um Jahre jünger“.

Platz schaffen in der Perrera

„Einen Hund adoptieren bedeutet zwei Hunde zu retten..weil dadurch wieder ein anderer raus kann…“ Das schrieb heute eine Tierfreundin in facebook, und ich musste das einfach zitieren, weil es so wahr ist. Gerade jetzt, wo die Perreras Mallorcas wieder überfüllt sind und ständig Einschläferungen angekündigt – und manchmal umgesetzt werden.

Charmantes Knickohr: Yayo checkt die Lage in der Villa Bunter Hund

Charmantes Knickohr: Yayo checkt die Lage in der Villa Bunter Hund

Damit wieder Platz wird in den Perreras, haben wir unsere Gastposition nach Stromers Abreise gleich wieder besetzt. Der Ratero-Mix Yayo (Opi) leistet uns Gesellschaft, bis sein Flieger in die Schweiz geht. Dort wartet eine Pflegefamilie auf ihn. Wer den mittelalten, lebenslustigen und liebenswerten Rüden adoptieren möchte, wende sich bitte an die Chihuahua-Nothilfe. Für diesen Tierschutzverein sind aktuell noch weitere Minihunde auf dem Weg von Mallorca nach Deutschland.

Von Yayos Vergangenheit ist nichts bekannt, er wurde eingefangen, verbrachte dann im Tierheim Son Reus endlose Wochen – graue Schnauzen sind nur schwer zu vermitteln.

Viele Deutsche denken übrigens, dass es auf Mallorca von Streunern nur so wimmelt. Tatsächlich gab es früher viele verwilderte Hunde, ganze Rudel lebten auf der Insel. Heute werden frei laufende Hunde meist innerhalb weniger Tage eingefangen. Wer seinen entlaufenen Hund sucht, hat gute Chancen, ihn in der örtlich zuständigen Perrera wieder zu finden. Die Hunde, die länger als zwei Wochen dort sind, sind meist ausgesetzt,  haben keinen Besitzer, der sie liebt, sie sucht. Werden sie nicht innerhalb weniger Wochen adoptiert, droht ihnen der Tod. Der Platz in den Tierheimen ist und bleibt beschränkt.

 

Abschiedsfoto

abschied-von-stromerUnd tschüß! Stromer ist inwischen nach Deutschland gereist und wartet in einer Pflegefamilie bei Solingen auf „seine“ Menschen (Kontakt über mich). Wenn er reden könnte, würde er bestimmt über eine „geile Zeit“ in der Villa Bunter Hund berichten. Da ich selbst verreist war, habe ich es leider verpasst, noch ein Video über lange leinenfreie Spaziergänge und Ausflüge ins Mittelmeer zu produzieren. Daher hier nur unser Abschiedsfoto. Mach’s gut, Stromer!

Der informierte Patient

Der Mediziner von heute hat es nicht leicht. Der ehemalige „Gott in weiß“ muss sich mit mehr und mehr Besserwissern abgeben. Ganz alltäglich ist, dass ein Patient schon bei der Begrüßung neben seinen Symptomen mehrere Verdachtsdiagnosen liefert. Einige klären ihren Arzt sogar über die richtige Therapie auf. Zu welchem Zweck sie sich überhaupt in seine Praxis begeben, konnte mir noch niemand beantworten.

Mir als Tierheilpraktikerin geht es natürlich ähnlich: Der Tierbesitzer hat sich im Internet bereits eingehend mit der Krankheit seines Vierbeiners befasst. Google lieferte eine runde Million Infoseiten, in Facebook fanden sich allwissende Gruppen mit wertvollen Tipps. Ich persönlich finde das nicht schlimm. Nach meiner Erfahrung muss der Therapeut den informierten Patientenbesitzer zunächst einmal in Ruhe alles erzählen lassen. Und dann reden wir darüber und finden eine sinnvolle Behandlung.

Information ist wichtig, aber nicht immer ist es sinnvoll, zuerst "Doktor Google" zu befragen

Information ist wichtig, aber nicht immer ist es sinnvoll, zuerst „Doktor Google“ zu befragen

Etwas nervig ist es, wenn der Klient nach seinem Besuch bei der Therapeutin täglich anruft, weil er im Internet etwas gefunden hat, was garantiert noch besser ist. Er gelangt so schnell in eine Art Therapie-Hopping – heute Bioresonanz, morgen Lichttherapie und übermorgen Schüssler-Salze. Ist vielleicht alles nicht verkehrt, aber hinterher weiß man nicht, was eigentlich geholfen hat (im günstigen Fall) oder warum es dem Tier immer noch schlecht geht (wenn eine Therapie die andere in der Wirkung behindert). Ein wenig Vertrauen zum Tierheilpraktiker vor Ort sollte vorhanden sein, sonst kann man sich den Besuch gleich sparen.

Wovon zweifelsohne abzuraten ist: In einer Notfallsituation zunächst mal die Facebook-Gruppe befragen, was zu tun ist: „Meine Dogge liegt auf der Seite und hechelt so komisch und der Bauch ist ganz dick und hart, was meint ihr, was kann das sein?“ (Magendrehung? Lebensgefahr!)… „Der Tito kneift seit gestern das Auge ganz schlimm zusammen und reibt immer mit der Pfote dran, und fressen will er auch nicht, soll ich da mal mit Kamillentee abwaschen?“ (Nein! Da muss der Fachmann gucken, ob ein Fremdkörper drin ist! Und zwar jetzt! Dein Hund hat Schmerzen! Und sowieso: Kamillentee reizt die Konjunktiven!)… Ich könnte unzählige Beispiele aus einschlägigen Foren anführen, die mir schon beim Lesen körperliches Unbehagen bereiteten. Im Notfall nicht posten… sofort losfahren.

Häufig finde ich im Internet auch folgende Aussage, die nicht vom aufgeklärten Patienten, sondern vom beschränkten Ignoranten stammt: „Dann gibt der Tierarzt wieder irgend eine Spritze und das kostet dann wieder 100 Euro, da frage ich lieber euch“. Fragen Sie lieber grundsätzlich den Tierarzt, welches Medikament er gibt und warum, also was es bewirken soll. Lassen Sie sich alle Analyse-Ergebnisse ausdrucken und notieren Sie sämtliche Therapiemaßnahmen. Denn wenn Sie die Klinik oder den Behandler wechseln, sind lückenlose Informationen sehr hilfreich. Anstelle von dieser Aussage, mit der ich viel zu häufig zu tun habe:  „… eine Spritze und Tabletten, die soll er 10 Tage nehmen… wie die heißen weiß ich nicht… das sind so weiße…“

Und noch eine Warnung: Wer im Internet sucht, der findet – auch Dinge, die er nicht wissen möchte. Nebenwirkungen, mögliche Komplikationen, Fehldiagnosen… Vergessen Sie nicht, eigenständig zu denken, und bleiben Sie ruhig!