Hat mein Tier Schmerzen?

„…aber ich glaube nicht, dass es ihm weh tut.“, höre ich nicht selten in meiner Tierheilpraxis. Und das im Zusammenhang mit einem humpelnden Hund. Meine Standard-Antwort lautet dann natürlich: „Warum, glauben Sie denn, dass er hinkt?“

Charly Rückenlage

Seine entspannte Körperhaltung signalisiert: Charly geht es richtig gut. Bei Schmerzen würde er sich nicht so hängen lassen.

Hat ein Hund Schmerzen oder nicht? Beim Bewegungsapparat ist das noch recht einfach auszumachen. Humpelt der Hund, will er instinktiv eine schmerzende Extremität  entlasten. Nur ganz selten gibt es mechanische Beeinträchtigungen, die das Gangbild verändern. Eine Lahmheit muss aber nicht unbedingt aus einem Beingelenk stammen, es ist häufig die Ursache im Rücken zu finden. Mittels Palpation sollte der Tierarzt oder Tierheilpraktiker die Wurzel des Übels ausmachen. Eventuell muss die Diagnose durch Röntgen oder andere bildgebende Verfahren abgesichert werden.

Aber es können ja neben Rücken und Gelenken ganz andere Körperteile weh tun. Der Hund kann sich aber nicht äußern wie wir: „Mein Bauch schmerzt, unten rechts.“ Er spricht eine andere Sprache, und es liegt an uns, seine Zeichen zu deuten.

Hinweise auf Schmerz finden Sie durch Beobachtung Ihres 4beinigen Lieblings. Folgende Abweichungen von seinem normalen Verhalten können auf ein Leiden hindeuten:

  • Inaktivität, Bewegungsunlust
  • fehlender Appetit
  • Abwehrreaktionen beim Anfassen
  • plötzliche Aggressionen gegen Artgenossen
  • Unruhe oder Rastlosigkeit, auch nachts
  • Sich-Zurückziehen
  • Belecken oder Beknabbern von einzelnen Körperteilen
  • Winseln oder Fiepen
  • Auffälliges Hecheln, ungewöhnliche Atmung
  • Schmatzen oder ums Maul lecken
  • Gestresster oder ängstlicher Ausdruck
  • Aufgekrümmter Rücken
  • Harte, gespannte Bauchdecke
  • Angespannte Körperhaltung
  • Hinken, Humpeln
  • Steifer Gang

Bei einer plötzlichen Wesensveränderungen des Tieres kann ein heftiger, plötzlicher Schmerz die Ursache sein. In diesem Fall sollten Sie nicht warten, sondern sich schnell an professionelle Hilfe wenden.

Schwieriger sind leichte Schmerzzustände, die sich allmählich entwickeln. Manch Tierhalter erkennt die Qualen seines 4beiners erst nach dessen Heilung oder unter Schmerzmedikation. Ganz typisch ist dann folgende Aussage: „Der ist wie früher, der wirkt um Jahre jünger“.

Platz schaffen in der Perrera

„Einen Hund adoptieren bedeutet zwei Hunde zu retten..weil dadurch wieder ein anderer raus kann…“ Das schrieb heute eine Tierfreundin in facebook, und ich musste das einfach zitieren, weil es so wahr ist. Gerade jetzt, wo die Perreras Mallorcas wieder überfüllt sind und ständig Einschläferungen angekündigt – und manchmal umgesetzt werden.

Charmantes Knickohr: Yayo checkt die Lage in der Villa Bunter Hund

Charmantes Knickohr: Yayo checkt die Lage in der Villa Bunter Hund

Damit wieder Platz wird in den Perreras, haben wir unsere Gastposition nach Stromers Abreise gleich wieder besetzt. Der Ratero-Mix Yayo (Opi) leistet uns Gesellschaft, bis sein Flieger in die Schweiz geht. Dort wartet eine Pflegefamilie auf ihn. Wer den mittelalten, lebenslustigen und liebenswerten Rüden adoptieren möchte, wende sich bitte an die Chihuahua-Nothilfe. Für diesen Tierschutzverein sind aktuell noch weitere Minihunde auf dem Weg von Mallorca nach Deutschland.

Von Yayos Vergangenheit ist nichts bekannt, er wurde eingefangen, verbrachte dann im Tierheim Son Reus endlose Wochen – graue Schnauzen sind nur schwer zu vermitteln.

Viele Deutsche denken übrigens, dass es auf Mallorca von Streunern nur so wimmelt. Tatsächlich gab es früher viele verwilderte Hunde, ganze Rudel lebten auf der Insel. Heute werden frei laufende Hunde meist innerhalb weniger Tage eingefangen. Wer seinen entlaufenen Hund sucht, hat gute Chancen, ihn in der örtlich zuständigen Perrera wieder zu finden. Die Hunde, die länger als zwei Wochen dort sind, sind meist ausgesetzt,  haben keinen Besitzer, der sie liebt, sie sucht. Werden sie nicht innerhalb weniger Wochen adoptiert, droht ihnen der Tod. Der Platz in den Tierheimen ist und bleibt beschränkt.

 

Abschiedsfoto

abschied-von-stromerUnd tschüß! Stromer ist inwischen nach Deutschland gereist und wartet in einer Pflegefamilie bei Solingen auf „seine“ Menschen (Kontakt über mich). Wenn er reden könnte, würde er bestimmt über eine „geile Zeit“ in der Villa Bunter Hund berichten. Da ich selbst verreist war, habe ich es leider verpasst, noch ein Video über lange leinenfreie Spaziergänge und Ausflüge ins Mittelmeer zu produzieren. Daher hier nur unser Abschiedsfoto. Mach’s gut, Stromer!

Der informierte Patient

Der Mediziner von heute hat es nicht leicht. Der ehemalige „Gott in weiß“ muss sich mit mehr und mehr Besserwissern abgeben. Ganz alltäglich ist, dass ein Patient schon bei der Begrüßung neben seinen Symptomen mehrere Verdachtsdiagnosen liefert. Einige klären ihren Arzt sogar über die richtige Therapie auf. Zu welchem Zweck sie sich überhaupt in seine Praxis begeben, konnte mir noch niemand beantworten.

Mir als Tierheilpraktikerin geht es natürlich ähnlich: Der Tierbesitzer hat sich im Internet bereits eingehend mit der Krankheit seines Vierbeiners befasst. Google lieferte eine runde Million Infoseiten, in Facebook fanden sich allwissende Gruppen mit wertvollen Tipps. Ich persönlich finde das nicht schlimm. Nach meiner Erfahrung muss der Therapeut den informierten Patientenbesitzer zunächst einmal in Ruhe alles erzählen lassen. Und dann reden wir darüber und finden eine sinnvolle Behandlung.

Information ist wichtig, aber nicht immer ist es sinnvoll, zuerst "Doktor Google" zu befragen

Information ist wichtig, aber nicht immer ist es sinnvoll, zuerst „Doktor Google“ zu befragen

Etwas nervig ist es, wenn der Klient nach seinem Besuch bei der Therapeutin täglich anruft, weil er im Internet etwas gefunden hat, was garantiert noch besser ist. Er gelangt so schnell in eine Art Therapie-Hopping – heute Bioresonanz, morgen Lichttherapie und übermorgen Schüssler-Salze. Ist vielleicht alles nicht verkehrt, aber hinterher weiß man nicht, was eigentlich geholfen hat (im günstigen Fall) oder warum es dem Tier immer noch schlecht geht (wenn eine Therapie die andere in der Wirkung behindert). Ein wenig Vertrauen zum Tierheilpraktiker vor Ort sollte vorhanden sein, sonst kann man sich den Besuch gleich sparen.

Wovon zweifelsohne abzuraten ist: In einer Notfallsituation zunächst mal die Facebook-Gruppe befragen, was zu tun ist: „Meine Dogge liegt auf der Seite und hechelt so komisch und der Bauch ist ganz dick und hart, was meint ihr, was kann das sein?“ (Magendrehung? Lebensgefahr!)… „Der Tito kneift seit gestern das Auge ganz schlimm zusammen und reibt immer mit der Pfote dran, und fressen will er auch nicht, soll ich da mal mit Kamillentee abwaschen?“ (Nein! Da muss der Fachmann gucken, ob ein Fremdkörper drin ist! Und zwar jetzt! Dein Hund hat Schmerzen! Und sowieso: Kamillentee reizt die Konjunktiven!)… Ich könnte unzählige Beispiele aus einschlägigen Foren anführen, die mir schon beim Lesen körperliches Unbehagen bereiteten. Im Notfall nicht posten… sofort losfahren.

Häufig finde ich im Internet auch folgende Aussage, die nicht vom aufgeklärten Patienten, sondern vom beschränkten Ignoranten stammt: „Dann gibt der Tierarzt wieder irgend eine Spritze und das kostet dann wieder 100 Euro, da frage ich lieber euch“. Fragen Sie lieber grundsätzlich den Tierarzt, welches Medikament er gibt und warum, also was es bewirken soll. Lassen Sie sich alle Analyse-Ergebnisse ausdrucken und notieren Sie sämtliche Therapiemaßnahmen. Denn wenn Sie die Klinik oder den Behandler wechseln, sind lückenlose Informationen sehr hilfreich. Anstelle von dieser Aussage, mit der ich viel zu häufig zu tun habe:  „… eine Spritze und Tabletten, die soll er 10 Tage nehmen… wie die heißen weiß ich nicht… das sind so weiße…“

Und noch eine Warnung: Wer im Internet sucht, der findet – auch Dinge, die er nicht wissen möchte. Nebenwirkungen, mögliche Komplikationen, Fehldiagnosen… Vergessen Sie nicht, eigenständig zu denken, und bleiben Sie ruhig!

Verantwortung und Hoffnung

Manchmal ist es schwer… und manchmal unmöglich, einen Hund zu retten. Diese Woche mussten wir einen aufgeben. Wir wollten ihn aus der Tötungsstation Son Reus holen, doch zusammen mit mehreren erfahrenen Menschen mussten wir einsehen, dass der Hund nicht „einfach“ Angstbeißer ist, sondern potentiell gefährlich. Und dass wir die Verantwortung nicht übernehmen können, ihn in die Nähe von ahnungslosen Menschen zu lassen.

Aus dem verängstigten "Tiguer" wurde in wenigen Tagen der fröhliche "Stromer"

Im Tierheim Son Reus war Stromer (dort Tiger genannt) noch verängstigt bis panisch

Das war zum Glück bisher der einzige Vierbeiner, den ich so klar ablehnen musste. Viel häufiger verläuft eine Tierrettung so erfreulich, wie die von Stromer. Seit knapp 10 Tagen lebt er bei uns in der Villa Bunter Hund. Und aus dem verängstigten Wrack ist schon jetzt ein fröhlicher und liebesbedürftiger Junghund geworden, den wir ohne Sorge weiter geben können an eine liebevolle Familie: Ab 8. November kann man Stromer auf seiner Pflegestelle in Solingen kennenlernen. Aus seiner Vergangenheit ist nichts bekannt, so beginnt denn auch das Video seiner bisher kurzen Geschichte in Son Reus: Stromer auf dem Weg ins Leben – hier klicken. Wohin Stromers hoffnungsvoller Weg weiter führt, erfahren Sie demnächst hier.

Stinkemauken und Körpergeruch

Ich hatte mal einen Hund, den konnte ich im Zimmer riechen, bevor ich ihn sah. Das lag an seinen entsetzlichen Stinkemauken. Auch Naddels Pfoten dünsteten üble Gerüche aus, als sie bei uns einzog. Und der Hund von Nachbarn stinkt dermaßen, dass es in seinem Mehrfamilienhaus regelmäßig Beschwerden gibt, weil der Mief bis ins Treppenhaus zieht.

Viele Hundebesitzer bemerken, dass ihre Lieblinge stinken. Andere Hunde dagegen sind vom Geruchsaufkommen her völlig unauffällig. Woran liegt das?

Es gibt Erkrankungen, die Bello müffeln lassen. Eine Niereninsuffizienz, Diabetes,  Pyodermien und andere Hauterkrankungen, Allergien… Wenn der Vierbeiner auffälligen Geruch ausströmt, sollte man organische Ursachen beim Tierarzt ausschließen lassen.

Nach dem Bad im Meer ist ein leichter Körpergeruch beim trocknenden Hund normal

Nach dem Bad im Meer ist ein leichter Körpergeruch beim trocknenden Hund normal

Manchmal aber „hundelt“  der Hund und es kann keine Ursache gefunden werden. Denken Sie dann unbedingt an die Ernährung, denn diese ist häufig der Grund für üblen Körpergeruch. Minderwertiges Fertigfutter wird schlecht verstoffwechselt, es sammeln sich Giftstoffe an im Körper, die Entgiftung erfolgt über Haut und Ohren – fertig ist der Stinker. Optimieren Sie die Ernährung Ihres Lieblings, im Zweifel mithilfe eines Beraters. Was das ausmachen kann, haben wir mit unseren Powerpfoten schon mehrmals erfahren: Naddels Füße stinken schon lange nicht mehr – wir stellten einen unmittelbaren Zusammenhang mit der Ernährung fest. Gleiches beobachteten wir bei Bodo, der im vergangenen Jahr ebenfalls mit Müffelmauken bei uns einzog. Und Charlys Fell, früher unpflegbar, verfilzt kaum noch, seit wir auf hochwertige und natürliche Fütterung achten.

Weitere mögliche Gründe für Körpergeruch beim Hund:

Bei Hauterkrankungen entwickelt sich häufig ein unangenehmer Geruch durch die beteiligten Bakterien oder Pilze

Bei Hauterkrankungen entwickelt sich häufig ein unangenehmer Geruch durch die beteiligten Bakterien oder Pilze

  • Ist im Sommer das Unterfell zu dicht, können sich durch Wärme und Feuchtigkeit Bakterien vermehren, die zu Geruch führen und Hautentzündungen verursachen können. Manche Hunde müssen daher in der warmen Jahreszeit geschoren werden, bei anderen reicht konsequente Fellpflege, um die abgestorbenen Haare zu entfernen und Luft an die Haut zu lassen.
  • Durch zu häufiges Baden wird der natürliche Säureschutzmantel der Haut angegriffen. Das begünstigt die Stinkerei noch mehr.
  • Es gibt Rassen, die stärker duften. Auf den Wasserapport spezialisierte Hunde wie Labradore haben ein leicht öliges Fell, das häufig einen intensiveren Eigengeruch verströmt.
  • Einige Hündinnen strömen während der Läufigkeit einen auffallenden Duft aus. Für Rüden attraktiv, für uns Zweibeiner gewöhnungsbedürftig bis unangenehm.
  • Manche Rüden besitzen sehr leistungsfähige Schweißdrüsen an den Hinterpfoten, mit denen sie ihr Revier markieren, indem sie nach dem Pieseln temperamentvoll scharren.

Haben Sie auch so ein haariges Müffelstück zu Hause, versuchen Sie mal ein paar Hausmittel: 1 Teelöffel Apfelessig auf 2 Liter Trinkwasser soll helfen. Oder frische gehackte Petersilie, ins Hundefutter gemischt. Zum Entgiften wären Chlorophyll Algen sinnvoll oder spezielle Mineralien-Mischungen. Und natürlich ein Futterwechsel. Sind Sie unsicher, konsultieren Sie einen Tierheilpraktiker.