Archiv für die Kategorie „Campino“

Da kommt Freude auf

Montag, 29. März 2010

Nach zwei Wochen in der Villa Bunter Hund enspannt sich unser Fuchs-ähnlicher “Pflegi”. Nein, wir sitzen noch nicht kuschelnd zusammen auf der Couch. Aber immerhin springt er schon alleine drauf und rettet sich nicht gleich in seinen “Bau”, wenn mal einer von uns vorbei kommt.

Campino ist in den letzten Tagen deutlich jünger geworden. Als würde Last von ihm fallen, läuft er schwungvoller, zeigt sich fröhlich  und beginnt zu spielen; mal erwische ich ihn mit einem Teddy im Maul, dann gibt es Ansätze, mit Charly zu toben. In den letzten Tagen dachte ich mehrmals, sogar Freude zu erkennen, wenn ich ihn morgens begrüßte. Dummerweise musste ich jedes Mal erkennen, dass hinter mir Charly stand – das Freudentänzchen galt ihm. (Kennen Sie diese Situationen, wo einem jemand zuwinkt, man winkt freudig zurück, und dann geht der Jemand auf jemanden hinter Ihnen zu?) Heute aber hat Campino erstmals Begeisterung gezeigt, als ich aus dem Haus trat – und Charly war nicht in der Nähe. Und ich hatte weder Futter noch Leckerli zur Bestechung dabei! Campino freute sich, einen Menschen zu sehen!

Die Zeit, die wir gestern am Puig de Ros in der Sonne saßen, zeigt also Wirkung. Wir mussten mal wieder auf Naddel und Murphy warten, die eine umfangreiche Kaninchen-Volkszählung durchführten. Woraufhin sie sofort standrechtlich für die nächsten Tage (Wochen! Lebenslang!) zu Leinenzwang verurteilt wurden.  Jedenfalls können wir ja den Pflegi nicht von der Leine lassen, also musste er etwas länger  mit unserer Anwesenheit leben. Es reichte nur ein “Komm” und ein ganz leichter Zug an der Leine, und Campino kam zu mir, um sich streicheln zu lassen – was er bis dato völlig ablehnte! Wir sind auf einem guten Weg. Das noch zarte Band des Vertrauens wird – langsam – stärker.

Campinos Depp

Donnerstag, 18. März 2010

Statisch steht der Hund in der Gegend - SpazierSTAND mit Campino vor 4 Tagen

Wer einen total traumatisierten Hund aufnimmt, muss sich gelegentlich zum Deppen machen. So am letzten Sonntag, als ich eine runde Stunde neben Campino in der Landschaft stand, weil er sich weigerte, voran zu gehen…

Heute war ich schon nur noch ein kleiner Depp ;-) . Denn Campino beschloss – beim zweiten Spaziergang!!! – dass er laufen kann. Höchst erfreulich, und wenn Sie sich mal die beiden Fotos anschauen, werden auch Sie einen Unterschied feststellen – achten Sie auf die Rute! Am Sonntag noch völlig verklemmt, heute verwegen hoch getragen und dazu im Gesicht ein lockeres YEAH, BABE. Ich gebe zu, Campino war nicht durchgehend kooperativ, gelegentlich musste ich doch unauffällig den Hans-guck-in-die-Luft machen, und zweimal nahm ich ihn sogar auf den Arm und trug ihn weg von der Stelle, die ihn offensichtlich vor Angst erstarren ließ. Aber er ist mit mir an der Leine eine ordentliche Strecke gegangen. Hin und zurück. Yeah, babe.

Die Katastrophe kam zum Schluss – neben meinem Auto parkte ein Betriebswagen von Straßenbauarbeitern. Diese standen davor und unterhielten sich. Campinos Reaktion zeigte mir deutlich, dass er während seiner Zeit auf der Strasse zu Männern ein extrem gestörtes Verhältnis entwickelt hat: Er versteckte sich panisch unter meinem Auto. Und als ich versuchte, ihn heraus zu ziehen, flutschte das Führgeschirr über seinen Kopf – Campino war frei.

Don’t panic.

Immerhin  er lag noch unter meinem Auto. Ziemlich unerreichbar für mich … Hätte er jetzt beschlossen, die Fliege zu machen, wäre es das gewesen. Wenn so ein Hund Gas gibt, holt man ihn nicht ein. Und da er Halsband und Geschirr abgestreift hatte, hing nicht einmal seine Telefonnummer am Hals.

Locker flockig tänzelt Campino durch die Landschaft. Jedenfalls meistens...

Eigentlich auch egal – wer wollte so nah an diesen Angsthasen herankommen, dass er die Nummer hätte lesen können? Aber Campino blieb statisch unter dem Auto liegen. Irgendwie schaffte ich es, ihm die Hundeleine um den Hals zu legen. Meine anderen Hunde amüsierten sich köstlich: Wann legt sich Muddi schon mal in den Straßendreck, um mit ihnen zu spielen? Argh… Schließlich konnte ich Campino an der Hundeleine unter dem Auto hervorziehen. Nicht sanft, aber erfolgreich.

Daheim dann aber wieder ein Yeah, babe: Campino sprang  aus dem Auto und lief schnurstracks zur Gartenpforte. Keine Frage, wo er Zuhause ist. Oh yeah….

Die Angst hat einen neuen Namen

Dienstag, 16. März 2010

Dieser Hund muss wirklich schlechte Erfahrungen gemacht haben. Campino, neuer Gast in der Villa Bunter Hund, präsentiert eine ganz neue Qualität von Ängstlichkeit. Am liebsten wäre er gar nicht vorhanden.

Vor drei Tagen ist er bei uns angekommen, und seitdem beobachte ich ein ziemlich trauriges Hundetier. Er orientiert sich an den drei Sozialarbeitern, aber aufgrund seiner Zurückhaltung nehmen nicht einmal die ihn wirklich wahr. Der Vorteil: Er ist der erste Hund, der NICHT von Naddel verzickt wird.  Charly hingegen übt zum ersten Mal, nicht der Unterste in der Rangordnung zu bleiben. Er drängelt Campino kläffend zur Seite und versucht sogar, dessen Futter zu stehlen.

Während Christian draussen arbeitet, sitzt Campino unter seiner Kommode und versteckt sich. Das ist der Platz, den wir ihm eingerichtet haben, damit er Schutz finden und gleichzeitig seine Umgebung beobachten kann. Offensichtlich ist er – wie so viele traumatisierte Hunde, die ich kenne – besonders Männern gegenüber äußerst mißtrauisch.

Doch auch bei mir lautet seine Devise immer noch: Abstand halten. Wenn die Vorgeschichte stimmt, nämlich ein Monate langes Leben auf der Straße, immer auf der Hut vor einem Stiefeltritt, kann ich es ihm nicht verdenken. Mein Training wechselt zwischen Ignoranz, wobei er beobachten muss, dass alle anderen Hunde ALLES geben, um von mir Streicheleinheiten zu bekommen, und gezielten Streicheleinheiten gekoppelt mit Lecker-Leckeris. Dazu kontrollierte Körperbewegung, die aber nicht unnatürlich wirken darf, denn Campino muß das richtige Leben lernen.

Zum Glück kann ich auf den pfotenpower-Bericht vom letzten Jahr über Bolle zurück greifen. Ich erinnerte mich zwar dunkel, dass auch Bolle anfangs quasi ganztags vor Angst erstarrt war, aber ein Jahr später überwiegen die positiven Ergebnisse – nämlich, dass er (später) entspannt an der Leine ging, und vor allem, dass er ein fröhlicher und unkomplizierter Familienhund wurde – danke, Sybille, dass ich weiterhin an eurem Alltag teilhaben darf.

Im Moment bleibt Campino noch draussen und hat somit Pausen von einem neuen und für ihn sicher beängstigenden Alltag. Ein erster Spaziergang am Sonntag war eine ausgeprägte Katastrophe – Campino ging keine zehn Meter auf seinen eigenen Beinen. Immerhin: Er läßt sich anfassen und tragen ohne Gegenwehr. Und gelegentlich wirft er schon einen schüchternen bis interessierten Blick auf mich. Darauf kann man doch aufbauen?!

PS – Wir nehmen langsam endgültig Abschied von Luna