Archiv für die Kategorie „Aktuelle Gäste“

Blütenzauber

Samstag, 1. Mai 2010

Ich sitze auf der Couch, es ist Samstag, später Nachmittag, das Wetter ist nicht toll und im Fernsehen laufen prima Live-Konzerte. Unseren Spazierausflug mit den Hunden haben wir hinter uns, Haushalt ist erledigt und zum Kochen ist es zu früh. Entspannung pur. Das scheint auch Campino zu denken – und legt sich zu mir. Nicht in die andere Ecke, nicht einen Meter entfernt, sondern direkt auf das Kissen neben mich. Manchmal berührt er sogar mit seinem Kopf meinen Arm.

Bachblütenpause: Campino erleidet einen Rückfall in die Angst. Bei "seinem großen Bruder" Charly findet er Schutz

Entspannung. In den letzten Tagen hatte ich das Gefühl, dass sich Campino wieder von uns entfernt, dass seine Furcht zunimmt. Ich überlegte, ob etwas Auslösendes passiert war. Hatten wir uns falsch verhalten, ihn überfordert, ihn erschreckt? Nichts dergleichen. Die Bachblütenmischung war ausgegangen – von da an ging’s bergab. Gestern endlich schaffte ich es, „seine“ Mischung neu herzustellen. Und siehe da: Kaum geben wir ihm die Tropfen, kommt Campino wieder näher.

Als ich vor fast 15 Jahren während meiner Ausbildung zur Tierheilpraktikerin erstmals von Bachblüten hörte, dachte ich: „Mir könnt ihr viel erzählen. Redet weiter, lügt mich an…“ Diese Therapie-Theorie war mir mehr als suspekt. Dennoch, aus einem Bauch-Gefühl heraus wandte ich die Therapie an – mit vielfältigen Erfolgen (Informationen und einige Beispiele aus der Praxis finden Sie in meinem Beitrag über Bachblüten). Und auch bei unserem aktuellen Pflegling finde ich den Blütenzauber enorm hilfreich. Was mir jetzt besonders auffällt, nachdem wir die Verabreichung in den letzten Tagen vernachlässigt haben.

Sein erstes Mal

Montag, 26. April 2010

Wir haben es getan! Wir haben heute auf unserer üblichen Spazier-Route die Leine von Campinos Geschirr gelöst. Neugierig bis verwegen, wie wir sind… Oha.

Erst merkt er gar nicht, dass er frei ist. Dann biegen wir ab. Da, wo wir fast immer abbiegen. Campino läuft geradeaus weiter, nichts zerrt an seinem Geschirr, nichts hält ihn zurück. Er entfernt sich. Christian zeigt Nerven… Ich sage: “Weitergehen.” Denn ich bin mir sicher – dieses Rudel wird Campino nicht für nix verlassen. Richtig. Campino bleibt stehen, schaut sich um, rennt uns hinterher. Uff…

Nach dem Ausflug schmeckts dem Quartett

Unten in unserer Plansch-Bucht ist ein anderer Hund. Campino liebt alle Hunde, nicht nur die drei Sozialarbeiter. Die hat er ja jetzt immer – also schließt er sich gleich mal dem kleinen Pinscher an, auch wenn dieser grunzt und knurrt. Das Pfotenpower-Rudel ist abgemeldet.

Tja, da ist er also, der Beweis: Ohne Leine können wir Campino noch nicht mitnehmen. Er findet unser Team zwar nett, doch offensichtlich geht er an die Thematik noch recht flexibel ran. Auf Rufen seines Namens reagiert er… mehr weniger. Ich rufe: “Campino, komm her”. Er schaut mich an: “Komm doch selber”. Was ich dann tue… Da müssen wir noch mal ran, da besteht offensichtlicher Nachschulbedarf. Was mich nicht wundert – Campino ist erst sechs Wochen hier und hat vorher jahrelang keine Beziehung zu Menschen aufgebaut. Möglicherweise  wurde er nie zuvor auf einen Namen konditioniert? Und immerhin – ich kann mich ihm ohne Probleme nähern, ihn streicheln, die Leine an seinem Geschirr befestigen, und er geht fröhlich mit uns zurück. Vor drei, vier Wochen wäre er vor mir davongelaufen.

Alles hat ein Ende…

Montag, 19. April 2010

Mit einigen Tropfen Pipi in den Augen (so sagt man doch heute?) habe ich heute ein e-mail an den Tierschutzverein FAAM geschickt, für den wir Campino derzeit hüten. Ausschnitt:

“… Pino macht derzeit RIESENfortschritte. Ich meine, man kann jetzt anfangen, sein endgültiges Zuhause zu finden. Das dauert ja eh einige Tage bis Wochen… Wir drängeln auch nicht, er muss bei uns bleiben, bis seine Familie gefunden ist, aber seine hiesige Therapie ist bald beendet, denn es ist jetzt deutlich abzusehen, dass er ein charmanter und anhänglicher Familienhund wird. Wir arbeiten schon dran, ihn stubenrein zu machen, denn er sucht unsere Nähe und kommt ganz viel ins Haus, wenn die Türen offen sind. Also alles positiv!!!! Ich bin super froh und sehr, sehr stolz auf ihn, wie er sich entwickelt.”

Mir kommt es viel zu früh vor für Abschiedpläne, dann Anfang vergangener Woche hatte ich noch das Gefühl, dass Campino ganz schön sozialisierungs-resistent ist. Aber dann hat es fast hörbar “Klick” gemacht bei ihm, und in den letzten Tagen erleben wir fast stündlich, wie seine aus Angst gewachsene seelische Schutzschicht Stück für Stück wegbricht und er sich uns mit Freude und Vertrauen (und Hoffnung auf ein Leckerli ;-) ) nähert. Deswegen müssen wir jetzt seine Adoption vorbereiten. Sie wissen was das heißt: Wenn Sie gerade einen Hund mit viel Potential suchen, oder Sie kennen einen, der einen kennt… Aber komme mir keiner mit einer nicht perfekten Lösung für meinen Pino ;-)

“Sofa-Kartoffel”

Sonntag, 18. April 2010

Ab sofort werd' ich gemütlich - Campino zieht's zum Rudel

Dass ich ihn gestern einen Spätmerker tituliert habe, wollte Campino ganz schnell korrigieren. Abends kam er plötzlich mit den anderen Hunden ins Wohnzimmer, erachtete sämtliche Fußboden-nahen Plätze als nicht adäquat, und machte es sich konsequenterweise beim Rudel auf der Couch gemütlich. Auf der roten Kuscheldecke, auf Christians Beinen, mitten im Gedrängel.  Als wäre er schon immer Kuschelhund gewesen. Wie waren sehr stolz auf Campino. Sein Schatten, über den er gestern gesprungen ist, muss etwa so groß sein wie die aktuelle Vulkanaschewolke über Europa. Willkommen bei den Couch Potatoes!

Aktuell liegt er mit Naddel unter meinem Schreibtisch, ein weiteres Novum. Draussen hat irgendetwas geballert, und Schutz sucht man immer bei der Muddi.

Das Schubladenmodell

Samstag, 17. April 2010

Zeit für ein Update, was unser Füchslein angeht. Seit vorgestern muss ich nicht mehr unter den Schrank krabbeln, um ihn anzuleinen. Unsere neue Einigung nennt man wohl Schubladenmodell. Campino legt sich auf seine Decke unter dem Kommödchen, und ich ziehe ihn mit der Decke heraus. Wobei er mir sogar entgegen kommt. Außerdem läßt er sich jetzt gelegentlich streicheln, ohne die Flucht zu ergreifen. Zu Hause ist er fast den ganzen Tag mit den anderen Hunden am Toben, vor allem Charly ist begeistert, noch jemanden zum Piesacken zu haben.

Wer Campino beim Spaziergang begegnet, ahnt nicht, wieviel Angst dieser Hund immer noch mit sich trägt

Einige Male haben wir Campino jetzt abends ins Haus genötigt, damit er mal ein entspanntes Familienleben kennen- lernt. Er findet es bisher nicht wirklich empfehlenswert, aber – er ist eh ein ziemlicher Spätmerker. Das wird schon noch. Dafür genießt er den täglichen Spaziergang umso mehr. Auch die Fahrt im Rudelmobil findet er klasse, fühlt sich sicher im Auto.

Gestern dann in der Eurotierklinik Blutcheck wegen der Leishmaniose. Unsere Tierärztin Marianne ist recht zufrieden mit dem Blutbild, vor allem aber mit Campinos Äußerem. Er sieht – und das war vor vier Wochen ganz anders – nicht aus, als würden die Leishmanien ihm wirklich zusetzen. Die Medikamente, aber auch gesundes Futter und die positive Umgebung tun unserem Pflegehund augenscheinlich gut. Wir hoffen sehr, dass er auch weiterhin Fortschritte macht, sowohl seelisch als auch körperlich.

Informationen über Leishmaniose: www.leishmaniose.de

Spaß und Spiel

Donnerstag, 8. April 2010

Wenn ich abends mit den Futternäpfen auf die Veranda gehe, bietet sich immer das gleiche Bild: Charly, unersättlich und immer hungrig, ist vor Freude total aus dem Häuschen und so aufgeregt, dass er Campino bespielt – und darüber fast vergißt, dass es endlich sein geliebtes Fresschen gibt! Dann muss man den Blonden wieder zurück auf die Erde holen…

Campino läßt sich das Bespielen aber gerne gefallen, er animiert inzwischen häufig auch selbst. Gestern beobachtete ich, dass er es bei Naddel versuchte. Irgendwann demnächst wird sie ihn wahrnehmen! Noch ignoriert sie ihn vehement, aber – immerhin – sie ist nicht unfreundlich oder zickig.

Wenn Sie auch mal etwas Neues spielen wollen, aber Ihnen fehlt die Idee oder das Material: Tauschen statt kaufen! Mehr dazu hier:  Tausch Community. So, jetzt gehe ich mit Campino spielen. Auch so kann man ein Verhältnis zum Hund auf- und ausbauen!

Neues von Prinz Hasenfuß

Dienstag, 6. April 2010

Unser Fuchs im Bau


Ich könnte mich kaputt lachen über Prinz Hasenfuß! Zum Beispiel beim Anleinen für den täglichen Ausflug ins Grüne. Alle Hunde springen auf die Couch, um sich das Halsband anlegen zu lassen. Auch Campino springt drauf – doch dann verläßt ihn der Mut. Da muss man sich ja anfassen lassen!!! Also springt er wieder runter, freut sich aber weiterhin, dass es los geht. Ich bringe dann die anderen drei ins Auto, und jetzt stehe ich Campino am Tor gegenüber. Aug in Aug. Er freut sich auf den Spaziergang. Er will unbedingt mit. Ohne Leine darf er nicht durchs Tor. Aber er kann nicht über seinen Angstschatten springen. Er findet Berührung immer noch gefährlich.

Also rennt er fröhlich wedelnd zu seiner Kommode auf der Veranda und kriecht drunter. Das ist sein derzeitiger Deal mit mir: In seinem Bau. wo er sich sicher fühlt, darf ich ihm das Band um den Hals legen, und sobald ich das geschafft habe, krabbelt er wieder raus und läßt sich fertig anleinen. Na, gut, etwas umständlich ist die Prozedur, aber immerhin kriege ich ihn schon alleine – noch vor zehn  Tagen mussten wir zu zweit auftauchen, damit Campino in seine Höhle schlüpfte. Und ich habe das Gefühl, dass es nicht mehr lange  dauert, bis ich nicht mehr auf die Knie muss. Denn er macht kleine, aber feine Fortschritte. Und er wird ein ganz Süßer!

Osterhasen-Suche beendet

Montag, 5. April 2010

Das war beinahe ein Kurzurlaub – auf Mallorca feiert man Ostern von Gründonnerstag bis einschließlich Ostermontag. Zeit zum Entspannen und Zeit für die Hunde. Der für Freitag geplante längere Ausflug fiel leider aus. Campino war morgens fürchterlich übel, er erbrach sich wiederholt und verweigerte alles Essbare. Ganz offensichtlich hatte er auch gemeine Bauchschmerzen. Ihm ging es so schlecht, dass nicht einmal floh, wenn ihn jemand anfassen wollte…

Zum Glück ging es ihm nach 24 Stunden Fasten und einigen Heilmitteln aus meiner “Giftküche”  schon Samstag wieder so gut, dass er Schonkost doof fand (nun beginnt er langsam zu ahnen, dass ich in solchen Fragen sehr stur sein kann). Seit gestern frisst er wieder normal, inklusive Leishmaniose-Tabletten, die ich als Auslöser für seine Magenschmerzen verdächtige, auf die wir aber derzeit nicht verzichten können.

Und da unsere Hunde über Ostern keinen einzigen Osterhasen gefunden haben, trösteten wir sie  heute während unseres Spaziergangs mit Lecker-Würstchen (Foto). Auch das hat Campino schon gelernt: Bitte anstellen – jeder kommt dran!

Da kommt Freude auf

Montag, 29. März 2010

Nach zwei Wochen in der Villa Bunter Hund enspannt sich unser Fuchs-ähnlicher “Pflegi”. Nein, wir sitzen noch nicht kuschelnd zusammen auf der Couch. Aber immerhin springt er schon alleine drauf und rettet sich nicht gleich in seinen “Bau”, wenn mal einer von uns vorbei kommt.

Campino ist in den letzten Tagen deutlich jünger geworden. Als würde Last von ihm fallen, läuft er schwungvoller, zeigt sich fröhlich  und beginnt zu spielen; mal erwische ich ihn mit einem Teddy im Maul, dann gibt es Ansätze, mit Charly zu toben. In den letzten Tagen dachte ich mehrmals, sogar Freude zu erkennen, wenn ich ihn morgens begrüßte. Dummerweise musste ich jedes Mal erkennen, dass hinter mir Charly stand – das Freudentänzchen galt ihm. (Kennen Sie diese Situationen, wo einem jemand zuwinkt, man winkt freudig zurück, und dann geht der Jemand auf jemanden hinter Ihnen zu?) Heute aber hat Campino erstmals Begeisterung gezeigt, als ich aus dem Haus trat – und Charly war nicht in der Nähe. Und ich hatte weder Futter noch Leckerli zur Bestechung dabei! Campino freute sich, einen Menschen zu sehen!

Die Zeit, die wir gestern am Puig de Ros in der Sonne saßen, zeigt also Wirkung. Wir mussten mal wieder auf Naddel und Murphy warten, die eine umfangreiche Kaninchen-Volkszählung durchführten. Woraufhin sie sofort standrechtlich für die nächsten Tage (Wochen! Lebenslang!) zu Leinenzwang verurteilt wurden.  Jedenfalls können wir ja den Pflegi nicht von der Leine lassen, also musste er etwas länger  mit unserer Anwesenheit leben. Es reichte nur ein “Komm” und ein ganz leichter Zug an der Leine, und Campino kam zu mir, um sich streicheln zu lassen – was er bis dato völlig ablehnte! Wir sind auf einem guten Weg. Das noch zarte Band des Vertrauens wird – langsam – stärker.

Campinos Depp

Donnerstag, 18. März 2010

Statisch steht der Hund in der Gegend - SpazierSTAND mit Campino vor 4 Tagen

Wer einen total traumatisierten Hund aufnimmt, muss sich gelegentlich zum Deppen machen. So am letzten Sonntag, als ich eine runde Stunde neben Campino in der Landschaft stand, weil er sich weigerte, voran zu gehen…

Heute war ich schon nur noch ein kleiner Depp ;-) . Denn Campino beschloss – beim zweiten Spaziergang!!! – dass er laufen kann. Höchst erfreulich, und wenn Sie sich mal die beiden Fotos anschauen, werden auch Sie einen Unterschied feststellen – achten Sie auf die Rute! Am Sonntag noch völlig verklemmt, heute verwegen hoch getragen und dazu im Gesicht ein lockeres YEAH, BABE. Ich gebe zu, Campino war nicht durchgehend kooperativ, gelegentlich musste ich doch unauffällig den Hans-guck-in-die-Luft machen, und zweimal nahm ich ihn sogar auf den Arm und trug ihn weg von der Stelle, die ihn offensichtlich vor Angst erstarren ließ. Aber er ist mit mir an der Leine eine ordentliche Strecke gegangen. Hin und zurück. Yeah, babe.

Die Katastrophe kam zum Schluss – neben meinem Auto parkte ein Betriebswagen von Straßenbauarbeitern. Diese standen davor und unterhielten sich. Campinos Reaktion zeigte mir deutlich, dass er während seiner Zeit auf der Strasse zu Männern ein extrem gestörtes Verhältnis entwickelt hat: Er versteckte sich panisch unter meinem Auto. Und als ich versuchte, ihn heraus zu ziehen, flutschte das Führgeschirr über seinen Kopf – Campino war frei.

Don’t panic.

Immerhin  er lag noch unter meinem Auto. Ziemlich unerreichbar für mich … Hätte er jetzt beschlossen, die Fliege zu machen, wäre es das gewesen. Wenn so ein Hund Gas gibt, holt man ihn nicht ein. Und da er Halsband und Geschirr abgestreift hatte, hing nicht einmal seine Telefonnummer am Hals.

Locker flockig tänzelt Campino durch die Landschaft. Jedenfalls meistens...

Eigentlich auch egal – wer wollte so nah an diesen Angsthasen herankommen, dass er die Nummer hätte lesen können? Aber Campino blieb statisch unter dem Auto liegen. Irgendwie schaffte ich es, ihm die Hundeleine um den Hals zu legen. Meine anderen Hunde amüsierten sich köstlich: Wann legt sich Muddi schon mal in den Straßendreck, um mit ihnen zu spielen? Argh… Schließlich konnte ich Campino an der Hundeleine unter dem Auto hervorziehen. Nicht sanft, aber erfolgreich.

Daheim dann aber wieder ein Yeah, babe: Campino sprang  aus dem Auto und lief schnurstracks zur Gartenpforte. Keine Frage, wo er Zuhause ist. Oh yeah….