Lampionstadt Hoi An

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Darf’s ein bisschen mehr sein? Lampionpracht in den Straßen der Altstadt von Hoi An

Überall bunte Lampen, Laternen, Lampions – Hoi An ist vor allem deswegen berühmt und beliebt bei Touristen aus aller Welt. Da die Stadt zu Kriegszeiten völlig unbedeutend war, blieb sie von Bombardements und Zerstörung weitgehend verschont. Die somit unversehrte Altstadt wurde 1999 von der UNESCO fast komplett zum Weltkulturerbe erklärt. Und die Bevölkerung arbeitet dran, die Stadt so zu erhalten. Wo andere Kleinstädte mit übergroßen, grell bunten und flackernden Neonreklamen nicht geizen, findet man hier… Lampions. Besonders abends ist das wunderschön, wenn alle Straßen und Brücken unter den bunten Lichtern strahlen und gleichzeitig auf dem Thu Bon Fluss Kerzen schwimmen (damit möchte man sich Wünsche erfüllen).

Man könnte sich also fühlen, wie in einem gigantischen Freilichtmuseum. Allerdings überwiegt gelegentlich der Eindruck, sich in einem originellen Shoppingzentrum zu bewegen. Klar, die Touristen wollen Geld ausgeben, also gibt man ihnen Gründe dazu. Sehr beliebt sind die Maßschneider der Stadt. Als wir unseren ersten Spaziergang durch die belebten Straßen machen, besprechen wir noch, uns zunächst zu informieren und Preise zu vergleichen. Zwei Stunden später haben wir jede ein Kleid in Auftrag gegeben und ein anderes „von der Stange“ gekauft. Soviel zum Thema „ruhig und gelassen angehen lassen“.

Marktstand mit Lampions und Laternen zum Verkauf

Lampenladen: Ohne Lampion als Reiseandenken verläßt kaum jemand die Stadt

Geht man durch die Altstadt, wird man von vielen Verkäufern angesprochen: „Wanna buy something?“(Wollen Sie etwas kaufen?) – „Come look inside!“ (Schauen Sie sich drinnen um!). Allerdings sind die Promotions-Fachkräfte lange nicht so penetrant wie die in Kambodscha. Auch die Bootsbesitzer bieten einem eine Rundfahrt an, eine Stunde oder eine halbe, ebenso die Rikschafahrer. Alle akzeptieren aber ein „No“ und lächeln weiter freundlich. OK, die meisten.

Wir kaufen ein Sammelticket, mit dem wir fünf von 22 Sehenswürdigkeiten besichtigen können, darunter uralte, gut erhaltene Kaufmannshäuser, kleine Museen und traditionelle chinesische Versammlungshallen. Und die Japanische Brücke mit dem kleinen Tempel oben drauf. Dort kann man im vorderen Raum auch Postkarten und Andenken kaufen (wo nicht?), und im hinteren Zimmer befindet sich – nichts. Genau, wie es der Loose-Reiseführer beschreibt.

Brunnen vor kantonesischer Versammlungshalle

Vor den traditionellen chinesischen Versammlungshallen findet man wunderschöne Brunnen, natürlich nach Feng Shui platziert und gestaltet

So ist die Altstadt übersichtlich und entspannt kennenzulernen. Weiter von Hoi An entfernt liegende Sehenswürdigkeiten (My Son, Marmorberge) hatten wir ja schon mit dem Moped abgeklappert (hier klicken). Die nähere Gegend erkunden wir am letzten Tag unseres Aufenthaltes mit dem Fahrrad – trotz Sprühregens. In unseren pink- und lilafarbenen Regenponchos sehen wir aus wie Teletubbies, aber unsere Körper sind trocken und windgeschützt. Den Strand von An Bang peilen wir an. Ich würde ja gerne einmal im südchinesischen Meer baden, aber die Außentemperaturen liegen nur knapp über 20 Grad, und wegen der hohen Wellen steht hier ein Schild: „Baden verboten“. Wir gehen also mit den Füßen hinein ins recht warme Wasser und machen wenigstens davon Fotos. Ich unke noch: „Jede 7. Welle ist höher“, da kommt selbige schon mit Wucht angerollt und wir sind nass bis über die Knie.

Immerhin hört es jetzt auf zu regnen, so dass der Fahrtwind unsere Hosen schnell trocken bläst. Am Meer entlang radeln wir gen Südosten, am Cua Dai Beach an einigen Hotelkomplexen und Luxusresorts vorbei, die alle noch sehr neu aussehen. Andere befinden sich im Bau, und wir passieren auch mehrere Anlagen, die aussehen wie Investitionsruinen. Ein Rohbau, direkt am Strand, wird schon langsam von der Botanik zurück erobert, an einem weiteren Komplex in attraktivster Lage sind sogar schon Fenster und ein Teil der Klimaanlagen installiert, doch viele Scheiben sind zerbrochen, und neben dem Betonklotz steht offensichtlich schon sehr lange ein vor sich hin rostender Bagger. Möglicherweise sind hier chinesische Investoren Opfer ihrer aktuellen Wirtschaftskrise geworden. Oder der Baustopp ist Folge der Entwicklung der Touristenzahlen. Diese waren 2015 nach langer Wachstumsphase erstmals rückläufig: Aus China kamen deutlich weniger Besucher aufgrund von politischen Spannungen mit Vietnam, gleichzeitig sparten die Russen aufgrund des fallenden Rubels, und aus Europa starteten weniger Fernreisende aufgrund des Wertverlustes des Euros. Zumindest um letzteres ein wenig aufzufangen, können Europäer seit kurzem in Vietnam bis zu 15 Tage ohne Visum verbringen. Auch Neele und ich haben dadurch je 45 Dollar gespart. Dafür haben sich die Besichtigungspreise für Sehenswürdigkeiten um Hoi An und Hue aber in den letzten 7 Jahren teilweise vervielfacht.

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Die kleinen geflochtenen Rundboote sind traditionelle Fischerboote, heute aber natürlich auch Touristenatrraktion

Durch das Dorf Cam Thanh tragen uns unsere Drahtesel weiter. Bisher unbekannt waren uns Wasserkokosnuss-Palmen, die hier ganze Wälder bilden. Leider haben wir nirgends die Früchte gefunden, die aromatisch, aber sehr trocken sein sollen. Man kann sich hier mit einem der niedlichen, geflochtenen Rundboote (ja, die schwimmen wirklich und lassen sich offensichtlich sogar lenken) durch die Gegend rudern lassen und lernen, wie Krabben gefangen oder Fischnetze geworfen werden. Oder man lässt es, so wie wir.

Zurück in Hoi An muss Neele noch ihr zweites Kleid von der Schneiderin abholen, dann wird es auch schon Zeit, die Koffer zu packen. Ho Chi Minh Stadt erwartet uns als letzte Station dieser Reise. Aber vorher kaufen wir noch ein paar Lampions. Ganz ohne kann man Hoi An nicht verlassen.

Weiter: Ho Chi Minh Stadt und Mekong-Delta

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