Laos 1 – Wasserfall mit Bären

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Die Fahrt führt an Reisfeldern und ethnischen Dörfern vorbai

Seltsam – ich verlasse den Flughafen, und keiner bietet mir lauthals seine Dienste als Tuk Tuk Fahrer an. Hier herrscht Ordnung:  An einem speziellen Schalter wird das Ziel gesagt und das Fahrgeld bezahlt, dann trägt jemand den Koffer zum Kleinbus und los geht’s. Der Fahrer steigt zwischendurch aus, um eine Besorgung zu machen, aber wen stört’s… „Sa Bai Dee“ , so heißt die Begrüßung in Laos.

Über Land und Leute berichte ich zu einem späteren Zeitpunkt, wenn ich mehr kennengelernt habe. Heute erst mal der Bericht meines ersten Ausfluges, zum Wasserfall Tat Kuang Si.

Mein Ziel liegt etwa 32 Kilometer entfernt von Luang Prabang. Ein Tuk Tuk-Fahrer bietet sich für 200.000 Kip an – 25 Dollar, für mich alleine. Anstatt zu verhandeln, miete ich für 120.000 einen Motorroller, damit bin ich eh flexibler. Der Vermieter guckt skeptisch, traut mir wohl nicht zu, das Ding zu kontrollieren. Ich bin aber Profi, fahre Motorroller auf Mallorca. Also Helm auf und los. Auf dem Weg zur Tankstelle merke ich, dass der Fahrwind noch ganz schön kühl ist. Also nochmal zurück zur Pension, Jacke holen.

Die Fahrt führt durch ländliches Gebiet mit Gemüsefeldern und Reisterrassen. Am Straßenrand immer wieder Verkaufsstände mit allem, was gerade geerntet wurde, und mit landestypischen Produkten, etwa wunderschönen Seidenschals. Man kann auch Halt in einem „ethnischen Dorf“ machen. Laos besteht laut einem Zensus aus dem Jahr 2000 aus 49 bis 55 Ethnien – so genau weiß das keiner einzuteilen. Etliche gelten als Minderheiten. Entsprechend viele Sprachen werden gesprochen, und auch die Kultur ist enorm vielfältig. Und das Angebot an Kunsthandwerk ebenso, wie ich später auf dem großen Nachtmarkt von Luang Prabang entdecken werde.

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Mit der Suche nach verstecktem Obst und Gemüse beschäftigen sich die Kragenbären

Die Straße lädt zum Langsamfahren ein, der Schlaglöcher wegen. Aber der Weg ist gut ausgeschildert. Nach einer guten Stunde parke ich mein Moto und löse ein Ticket. Gleich hinter dem Eingang beginnt eine Auffangstation für gerettete und beschlagnahmte Bären, die ich natürlich ausgiebig besichtige. Offensichtlich wurden für die pelzigen Bewohner soeben viele Leckereien in ihren Gehegen versteckt, so dass sie sich ausgiebig mit der Futtersuche beschäftigen und gut zu beobachten sind. Um die Gehege herum gibt es Informationen über die Kragenbären und ihre Gefährdung, über Wilderei und Bärengalle in asiatischer traditioneller Medizin. Da viele Chinesen in Laos urlauben, hoffe ich, dass die Info die richtigen Empfänger erreicht. (Zur Webseite der Organisation Free the Bears hier klicken.) Als die bald gesättigten Bären sich zum Schläfchen auf Holzplattformen und in Hängematten nieder lassen, gehe ich weiter Richtung Wasserfall.

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Über 30 Meter tief fällt das Wasser am Tat Kuang Si

Die ersten Becken tauchen schnell auf, das Wasser leuchtet aufgrund von Sedimenten hell türkis. Einige Besucher nutzen die Chance, ein kühles Bad zu nehmen. Ich steige weiter auf. Der Hauptfall ist beeindruckende 30 Meter hoch, inmitten dschungelartiger Bewaldung. Zu seinem Fuß setze ich mich auf eine Bank und lasse das Naturschauspiel in Ruhe auf mich wirken. Es ist mal wieder wunderschön.

Von der letzten Aussichtsplattform aus geht es parallel zum Wasserfall steil nach oben. Ich bin froh, dass ich meine Trecking-Sandalen trage, die meisten Flip-Flop-Träger scheitern schon früh. Entsprechend ruhig ist es oben. Laut Schild sind es jetzt noch drei Kilometer Fußweg zur Quelle und zu einer Höhle. Ich bin früh dran und kein Tuk Tuk-fahrer wartet auf mich, also folge ich den Wegweisern. Jetzt wird es einsam. Um mich herum nur noch Schmetterlinge und die Geräusche der Natur.

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Neben den Statuen ist der Eingang der Höhle (rechts) unscheinbar

Die Quelle ist eher unspektakulär, aber landschaftlich schön gelegen. Die Höhle ist nur wenige Meter entfernt. Offensichtlich wird sie nur von wenigen Besuchern wahr genommen. Ich bekomme eine Taschenlampe und betrete den Eingang neben den Buddha-Statuen. In der Höhle ist es zappenduster und kühl. Ich bin ganz alleine. Der Lichtkegel aus der Lampe streift über von der Decke hängende Stalaktiten und bizarre Felsformationen. Hier und da sehe ich eine kleine Fledermaus von der Decke hängen, nehme aber immer schnell das Licht weg, um sie nicht zu stören. Nur vereinzelte Wassertropfen und mein Atem sind zu hören, fast unheimlich ist mir zumute. Ich passiere mehrere Altare mit weiteren Buddha-Figuren, umringt von Opfergaben. Irgendwann mag ich alleine nicht weiter, bin froh, als zwei Engländerinnen kommen. Zu dritt trauen wir uns noch ein Stück tiefer hinein. Wie tief die Höhe insgesamt ist – keine Ahnung.

Ich genieße es, wieder draußen zu sein. Auf dem Weg nach unten erfrische ich meine Füße in einem der eiskalten Becken des Wasserfalls. Auf der Rückfahrt stelle ich fest, dass der Straßendienst sich um die Schlaglöcher gekümmert hat. Leider ist die Teermischung fast so flüssig wie Wasser; sobald ein Fahrzeug drüber fährt, spritzt es zur Seite. Die Löcher bleiben also, wie sie sind, nur mit schwarzer Umrandung. Da muss vielleicht nochmal jemand ran.

Weiter: Besuch im Elephant Village

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