Die Höhlen im Phnom Nha – Ke Ban Nationalpark

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Paradise Cave: Der vordere Teil der riesigen Höhle ist für Touristen gut erreichbar

Die Fahrt mit dem Nachtzug von Hanoi nach Dong Hoi war mangels Schlafwagenplatz nicht wirklich schön. Aber in unserem Hotel Nam Long Plus am Zielort serviert man uns sofort ein Frühstück und lässt uns noch vor 8 Uhr morgens ins Zimmer – das nenne ich kundenorientiert. Wir pausieren, geben Wäsche zum Waschen, spazieren, recherchieren und planen für unsere weitere Reise. Am nächsten Tag sind wir ausgeruht und bereit für einen weiteren Ausflug.

Als uns der Bus morgens abholt, sind wir der Temperaturen wegen froh, uns gegen ein Moped entschieden zu haben. Eineinhalb Stunden dauert die Fahrt zum ersten Ziel. Wir fahren durch landwirtschaftliches Gebiet, sehen Bauern auf Reisfeldern und weidende Kühe. Im Vergleich zu Kambodscha liegt sehr wenig Müll herum. Die Grundstücke sehen gepflegt aus, wertgeschätzt. Der Busfahrer beherrscht vor allem seine Hupe perfekt, was aber für vietnamesische Verkehrsteilnehmer normal ist. Weg da!

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Bizarre Felsformationen haben sich über Jahrtausende gebildet

Bald fahren wir durch dschungelartigen Wald. Ich muss an den Einsatz von dem Entlaubungsmittel Agent Orange während des Vietnam Krieges denken. Der Wald hier ist unglaublich dicht belaubt. Ich kann mir vorstellen, dass man nur einen oder zwei Meter entfernt an einer Person vorbei gehen kann, ohne sie zu sehen. Die Amis hatten keine Chance – aber auch kein Gewissen.

Mit dem Passieren einer Schranke kommen wir im Phnom Nha- Ke Ban Nationalpark an, einem Weltnaturerbe der UNESCO. In diesem Kalksteingebiet gibt es viele seltene Tier- und Pflanzenarten, und es gibt Höhlen. Große Höhlen. Eine der größten Trockenhöhlen Asiens besuchen wir als erstes, die Paradise Cave.

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Die Phnom Nha Höhle ist bis zu 60 Meter hoch, der unterirdische Fluss darin bis zu 30 Meter tief

Vom Parkplatz aus werden wir per Elektrobus weiter befördert, dann geht es zu Fuß steil bergauf. Die Höhle hat eine Länge von über 31 Kilometern, touristisch erschlossen ist nur der erste Kilometer, dieser aber sehr gut beleuchtet (zum Glück nicht in bunt) und über Holzstege einfach zu begehen. Wir sehen gigantische Stalaktiten (die von der Decke nach unten wachsen) und Stalagmiten (die aus dem Boden nach oben wachsen). Sie bilden bizarre Formationen. Manche wachsen nur wenige Millimeter jährlich – wie viele tausend Jahre braucht es, so einen Gigant zu produzieren?

Nach einer Mittagspause erreichen wir den Fluss, über den wir via Drachenboot zur Phong Nha Höhle gelangen. Diese ist sogar über 60 Kilometer lang, aber wegen des unterirdischen Flusses keine Trockenhöhle. Wir fahren mit dem Boot hinein. Es tropft von der Decke. Wieder bewundern wir um uns herum abstrakte Gesteinsformationen, suchen und finden in Stein gewachsene Bilder – ein trinkender Elefant, ein Engel mit Harfe, ein Gesicht mit großer Nase, ganz viele Quallen und versteinerten Monsterschleim. Letzteres ist ein Scherz.

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Wo der Fluß flach ist, ernten die Bauern Seegras als Viehfutter

Diese Höhle wurde während des Krieges als Hospital und Lager für die vietnamesische Armee genutzt, wie auch in vielen anderen Höhlen die Bevölkerung Schutz vor den Bombenangriffen der Amerikaner gesucht hat. Zudem wurden in Süd- und Zentralvietnam umfangreiche Tunnelanlagen als Schutzräume für Zivilisten und Militär gegraben, von denen eine morgen auf unserem Besichtigungsplan steht.

Wir lassen uns vom Boot zurück zum Bus schippern. Eine friedliche Idylle fließt an uns vorbei. Aus dem Fluss ernten Bauern auf kleinen Langbooten Seegras, das sie getrocknet an ihr Vieh verfüttern werden. Kinder und Hunde spielen, Wasserbüffel grasen. Zumindest äußerlich hat sich Vietnam vom Krieg einigermaßen erholt.

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