Phnom Penh

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Dächer auf dem Königspalast mit dem vierseitigen Bodhisattva Gesicht

Nach einer zu kurzen Nacht, die der 36stündigen Anreise folgte, sind wir schon um 9 Uhr bereit zum Start in unseren Phnom Penh-Tag. Nur einen kurzen Spaziergang vom Hotel entfernt liegt der Königspalast, der zu den Sehenswürdigkeiten der Metropole zählt, die man gesehen haben muss, zusammen mit der Silberpagode und dem Tempel des Smaragd Buddhas.

Eine kurze Busfahrt weiter betreten wir das höchst gelegene Bauwerk der Stadt, den Tempel Wat Phnom. Hier wurde Kambodascha gegründet, der Legende nach von der Witwe Daun Penh, die hier einen Hügel und Tempel errichtete, um fünf am Ufer des Mekong gefundene Buddha-Statuen zu beherbergen. Schon deswegen ist der Hügel-Tempel ein beliebtes Ziel von Buddhisten wie Hinduisten. Aktuell steht auch das chinesische Neujahrsfest an, und wie bei uns ist das ein beliebter Termin, für die Zukunft um Glück zu bitten oder negatives Altes hinter sich zu lassen. Die einen lassen Knaller los, die anderen opfern den diversen hinduistischen und buddhistischen Gottheiten Unmengen von Lebensmitteln und Geld, wie heute am Wat Phnom zu sehen. Eine andere Tradition macht mich betroffen. Es soll Glück bringen, einen Vogel fliegen zu lassen. Klar, dass diverse Händler mit Hunderten von Singvögeln in beengten Käfigen auf Kundschaft warten. Religion, Glaube, Aberglaube – wo hört eines auf, wo beginnt das andere?

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Opfergaben an Gotteheiten oder Fabelwesen. Ob das neue chinesische Jahr besser wird, als das alte war?

Was tun Menschen den Tieren an, und was fügen sie einander zu? Das Genozid-Museum Toul-Sleng ist heute unser letztes „offizielles“ Ziel in der Stadt. Es erinnert an die Massenmorde der Roten Khmer unter Pol Pot. In der ehemaligen Schule, die später eines der berüchtigten Foltergefängnisse beherbergte, zeugen Fotos und Dokumente von den Haftanlagen und Foltervorrichtungen, daneben  Beweise in Form von menschlichen Schädeln und Knochen. Betroffen besichtigen wir die vielen Zeugnisse der unbarmherzigen Gewalt, lesen Aussagen von Überlebenden beider Seiten. Wieder einmal stelle ich mir vor, wie die Welt aussehen könnte, wenn die Menschen diese Energie, die sie mit dem gegenseitigen Abschlachten verschwenden, in Positives investieren würden – Liebe und Mitmenschlichkeit, Bildung und Gerechtigkeit…

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Organisiertes Chaos – der Straßenverkehr in Phnom Penh. Es ist laut, es stinkt, doch der Verkehr fließt. Meistens.

Wir brauchen und genehmigen uns eine Pause im Hotel. Danach zeigt uns meine Nichte Neele, wie sie die letzten 6 Monate gelebt und gearbeitet hat. Zum Kinderheim der Organisation Chipodia, wo sie ihr Praktikum absolvierte, fahren wir (immerhin eine Gruppe von 8 mehr oder weniger miteinander verwandten Leuten) mit zwei Tuc-Tucs. Mein Bruder Dirk kommt angesichts des städtischen Verkehrschaos‘ aus dem Lachen nicht mehr raus. Um uns bewegen sich unzählige Mopeds, Autos, Fahrräder und Lastwagen. Es hupt pausenlos. Wir sehen vierköpfige Familien auf Motorrollern und zu Lastwagen umfunktionierte Mopeds, auf deren hochgestapelte Ladung sogar noch Menschen Platz finden. Nichts ist unmöglich. Ich wage einen Vergleich: In Deutschland gibt es immer neue Ge- und Verbote der Sicherheit wegen – und dennoch wächst die Angst der Menschen.

Nachdem wir im Kinderheim unsere Mitbringsel übergeben haben, genehmigen wir uns auf der Dachterrasse des Praktikantenhauses ein kühles Getränk und genießen den Sonnenuntergang über den Dächern von Phnom Penh…

Weiter: Der Weg nach Battambang

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