Rund um Battambang

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Bamboo Train: Bei Gegenverkehr muss das Fahrzeug runter von den Schienen

Der Tag beginnt mit einer abenteuerlichen Fahrt auf dem Bamboo Train. Früher wurde er zum Transport der Reisernte genutzt und mit Manpower bewegt, also mit Stöcken geschoben. Heute treiben ihn als Touristenattraktion kleine Zweitakter an. Sonst hat sich nichts geändert. Wir sitzen auf Bambusmatten, die auf harten Holzplanken ausgelegt wurden. Für Sitzkomfort sorgt ein dünnes Stuhlkissen. Es knattert und stinkt, die Männer lieben es. Jedes technische Detail wird analysiert: „Guck mal diese Lager… in Deutschland haben wir die schon im letzten Jahrtausend verschrottet!“. Wir fahren durch landwirtschaftlich genutztes Gebiet, Kühe grasen vor abgebrannten Reisfeldern. Bei Gegenverkehr muss das Fahrzeug schnell von den Schienen gehoben werden. Der Bamboo Train wird hier nur noch wenige Jahre fahren, weil die Strecke für einen modernen Zug ausgebaut werden soll.

Es ist eine Wohltat, sich wieder auf gepolsterten Bussitzen nieder zu lassen. Nur kurz dauert die Fahrt zum Markt in Battambang Hier versorgt man sich mit allem, was fürs tägliche Leben gebraucht wird, hier findet man Handwerker aller Art, wie Schneiderinnen und Stickerinnen, Friseure, Schuhmacher und Goldschmiede. Die „Lebensmittelabteilung“ ist, vorsichtig ausgedrückt, sehr interessant. Gemüse wird eher wenig angeboten, dafür umso mehr Fisch (frisch und getrocknet) und Fleisch. Alles liegt ungekühlt auf den langen Holztischen, Fliegen schwirren umher. Detlef (Zitat: Ich probiere alles!) will trotzdem eine Wurst kaufen und direkt essen. Doch der Händler weigert sich. Es gibt ein Sprachproblem, das erst durch eine klare Geste gelöst wird. Der Khmer steckt sich symbolisch den Finger in den Hals: Davon wird dir schlecht! Endlich versteht Detlef: Die Wurst ist roh und muss unbedingt gegart werden, bevor sie ohne gesundheitliche Folgen essbar ist.

Weiter geht es mit unserem Bus. Wir halten vor einem kleinen Pfahlbau, der zunächst wie einer der zahllosen Kioske aussieht. Wan Wan führt uns am Verkaufsstand vorbei nach hinten. Hier wird Reispapier für Frühlingsrollen gemacht. Nur in dieser Gegend Kambodschas gibt es diese traditionelle Herstellung noch. Der Prozess ist aufwändig, alles wird per Hand gemacht, als Herd dient ein Glutfeuer aus Reisstelzen, und getrocknet werden die hauchdünnen Blätter auf Bambusgestellen. Ein kleines Mädchen, vielleicht 7 oder 8 Jahre alt, hilft emsig der Mutter. Ein hübsches Bild, aber wie so häufig denken wir, dass das Kind eigentlich jetzt, in den Vormittagsstunden, in der Schule sein sollte. Tatsächlich gibt es eine Schulpflicht in Kambodscha, aber wie Wan Wan sagt: „Nur auf dem Papier“. Viele Familien können es sich schlicht nicht leisten, ihre Kinder ausbilden zu lassen.

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Gruppenfoto mit Brautpaar

Die Ruine des Tempels Wat Ek Phnom ist unser nächstes Ziel. Gebaut im 11. Jahrhundert, muss es ein prächtiges Gebäude gewesen sein, bevor die Roten Khmer mit der Zerstörung begannen. In allen Grundstücksecken stehen die typischen Geisterhäuschen. Neue gepflegte, aber auch ältere, von Spinnweben und Staub überzogen. Die Geister hier scheinen flexibel zu sein, vielleicht ziehen sie auch gerne ab und zu um.

Die Tempelruine ist ein beliebter Ort für Hochzeitsbilder. Bei Eheschließungen in Kambodscha ist das wichtigste das Fotobuch. Dafür fahren die Brautpaare tagelang herum und lassen sich in schöner Umgebung, unterschiedlich gekleidet, ablichten. Ein Brautpaar, das gerade für eine Session in traditionelle Gewänder gesteckt wurde, freut sich über unser Interesse und lässt sich sogar mit uns fotografieren. Es ist doch immer wieder günstig, einen einheimischen Reiseleiter dabei zu haben.

Die nächste Attraktion ist – ein Reismäher, der gerade am Wegesrand die Ernte in Säcke spuckt. Mein Bruder, Landwirt aus Leidenschaft, läuft mit glänzenden Augen um das technische Gerät, hält jedes Detail mit der Kamera fest.

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Millionen von Fledermäusen verlassen jeden Abend pünktlich eine unzugängliche Höhle am Phnom Sambov

Am späten Nachmittag erreichen wir den Berg Phnom Sambov. Es führen 450 bis 600 Stufen hinauf, je nachdem, welchen Weg man wählt. Wir passieren mehrere heilige Stätten mit bunten Statuen aller Art, bevor wir eine Höhle erreichen. Auch hier werden wir wieder einmal mit der blutigen Vergangenheit der Roten Khmer konfrontiert. Die Höhle war ein viel genutzter Exekutionsort. Heute empfängt uns darin die Statue eines sitzenden Buddhas mit einer betenden Nonne davor.

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Der kleine Herzensbrecher saß nur kurz still, um einen leckeren Käfer zu vertilgen

Wieder unten fühlen wir uns wie die VIPs, als wir am reservierten Tisch einer Bar mit Blick auf den Berg Platz nehmen. Hier findet jeden Abend kurz nach 18 Uhr ein fantastisches Event statt. Aus einer Höhle am Berg fliegen Fledermäuse. Das hört sich erstmal unspektakulär an, aber es müssen Millionen sein, die sich auf den Weg in die nächtlichen Jagdgründe machen. Zu hören ist nichts, dazu sitzen wir zu weit entfernt, oder liegt es an der sphärischen Technomusik unserer Bar? Nur der Geruch von Fledermauskot weht bis zu uns herüber. Es ist ein unvergleichliches Naturschauspiel, das bestimmt eine halbe Stunde dauert. Aber immer wieder wird unser Blick abgelenkt. Hier am Berg leben viele wilde Affen, und eine Affenmutter hat sich mit den Barbesitzern angefreundet, lässt sich gnädig von ihnen durchfüttern, während ihr Sprössling – hahaha – den Affen macht. Das Baby turnt über Tische und Stühle und an Dachstützen entlang, rast zwischen Füßen der Gäste hindurch und klammert sich immer wieder an den Wirt, der es weitgehend ignoriert. Im Gegensatz zu uns. Wir Frauen beobachten das niedliche Äffchen mit wachsendem Entzücken, ich warne vorsorglich meine Geschlechtsgenossinnen: „Vorsicht Mädels, das gibt Milcheinschuss!“.

Weiter: Mit dem Boot nach Siem Reap

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