Tunnelwelt und Kaiserstadt

Dong Hoi verlassen wir am frühen Morgen mit dem Bus, der in Richtung Süden einen Besichtigungsstopp bei den Vinh Moc Tunneln macht. Sie sind nicht so bekannt wie die Tunnel von Cu Chi (nahe Ho Chi Minh Stadt), aber besser erhalten und im Originalzustand belassen. In der Umgebung, nahe der Demilitarisierten Zone (DMZ), gibt es über 50

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Nur an wenigen Stellen sind die Tunnel so hoch, meist muss ich mich gebückt vorwärts bewegen

Tunnelanlagen, in denen sowohl Soldaten als auch Zivilisten Schutz vor den Bombardements der amerikanischen Armee suchten. In Vinh Moc ziehen sich die unterirdischen Gänge über eine Gesamtlänge von mehr als einen Kilometer auf drei Ebenen, bis zu 23 Meter tief unter der Erde. Ursprünglich war die Anlage für 300 Menschen ausgelegt, doch es lebten sechs Jahre lang bis zu 600 Menschen hier, teilten sich eine Toilette und eine Küche, verließen die Tunnel nur, um auf den Feldern Nahrung anzubauen oder zu kämpfen.

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Ausserhalb der Tunnel findet man dicht an dicht alte Bombenkrater. Die Gegend ist bis heute nicht frei von Blindgängern

Wir können einen Teil der Gänge erkunden, gehen vorbei an knapp zwei Quadratmetern großen Nebentunneln, in denen bis zu vier Personen wohnten. Die Tunnel sind schmal und niedrig, mit meinen 1,76 Metern Lebenslänge kann ich kaum irgendwo aufrecht stehen. Wir sehen das ehemalige Waffenlager, den Kreißsaal, in dem 17 Kinder geboren wurden (von denen einige heute noch in der Gegend leben), einen Versammlungsraum. Alles ist düster und fürchterlich beengt; wer zu Klaustrophobie neigt, möchte da nicht rein. Andererseits – wenn man draußen die dicht an dicht liegenden Bombenkrater sieht, ahnt man, was damals das kleinere Übel war.

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Das Tor der Menschlichkeit, einer der vier Eingänge zur Kaiserstadt in der Zitadelle von Hue

Mit dem Überqueren der DMZ erreichen wir das ehemalige Südvietnam und haben auch die Wettergrenze überschritten. In Hue ist es endlich warm. Da wir schon mittags ankommen, nehmen wir uns gleich die Zitadelle vor.

Innerhalb dieser liegt die alte Kaiserstadt, politisches Zentrum von Hue, das bis 1945 Hauptstadt von Südvietnam war. Bis dahin herrschte der letzte Monarch namens Bao Dai, später lebte er in Paris, verstarb dort 1997. Interessant sind nicht nur die mehr oder weniger erhaltenen Gebäude der Kaiserstadt (auch hier wurde durch die Amerikaner viel zerbombt), sondern auch die Ausstellung über den Alltag am kaiserlichen Hof. Ob der Monarch mit seinen Ehefrauen und bummelig100 Konkubinen, die Eunuchen oder die Mandarine, viele Fotos und Dokumente zeigen anschaulich offizielle Zeremonien und das tägliche Leben.

Drachenboote auf dem Parfümfluss. Kommet, ihr Touristen!

Drachenboote auf dem Parfümfluss. Kommet, ihr Touristen!

Als wir auf dem Rückweg die „Neun Heiligen Kanonenrohre“ neben dem Flaggenturm fotografieren wollen, nehmen mich drei junge Vietnamesinnen an die Hand, damit ich mich mit ihnen abbilden lasse. Sie finden wohl vor allem den Größenunterschied zwischen meinen schon genannten 1,76 und ihren knapp 1,50 lustig. Das passiert uns öfter… Vorbei am Parfümfluss und unzähligen Drachenbooten, die alle auf Touristen warten, spazieren wir mit schmerzenden Füßen Richtung Abendessen und Hotel.

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