Unsere Geschichte der O.

Sie denken vielleicht, das ist alles ganz einfach und geht seinen natürlichen Gang. Huhn frisst und legt Eier. Huhn brütet und bekommt Kinder. Kinder wachsen, werden Hühner, fressen, legen Eier, brüten… Soweit die Idealvorstellung. Im vergangenen Jahr klappte das auch einigermaßen. Es endete damit, dass sich zwei Hühner das Sorgerecht für fünf Küken teilten. Immerhin.

Mit ein wenig Nachhilfe zum “Bruterfolg” – Madame O.

In diesem Jahr begann das Drama im Februar, als Madame O. beschloss zu brüten. Nach zehn Tagen stellte ich fest, dass unser Hahn zwar wunderschön war, aber offenbar nicht sehr fruchtbar. Ich entsorgte also die Eier und holte die Henne zurück in die Realität. Vor drei Wochen beschloss sie erneut, Mutter werden zu wollen. Guuuut, dachte ich… und kaufte Bruteier. Leider war Madame O. unkonzentriert. Mehrmals irrte sie sich bei der Rückkehr von ihrem täglichen Versorgungsausflug (auch werdende Mütter müssen einmal täglich picken und trinken) im Nest und setzte sich neben ihre Eier. Diese blieben zu lange kalt. Wieder war kein Bruterfolg abzusehen. Dummes Huhn…

Aber sie wollte nicht aufgeben und brütete stur weiter auf eingebildeten Eiern. Und auch ich hatte mich sooo auf die kleinen Küken gefreut. Das Ende vom Lied? Nicht allzuweit entfernt bot jemand Orpington-Küken zum Kauf an. Noch ganz jung und somit zur Adoption geeignet. Und mit Adoption kenne ich mich aus dem Tierschutz doch aus.

Ich betete, dass Madame O. mit dieser Aufgabe nicht überfordert wäre und brachte sie mit sieben Zwergen im Extra-Stall unter. Anfangs guckte sie völlig erschreckt. Irgendwie kam ihr das nun zu plötzlich. Aber dann steckte ich ihr ein kleines Flauschbällchen unter einen Flügel. Und wenige Stunden später ein zweites (die anderen wärmten sich derweil unter einer Rotlichtlampe). Und dann ein drittes. Am zweiten Vormittag schob ich Madame O. ganz vorsichtig das vierte Küken unter. Als ich wenige Stunden später mein hoffnungsvolles Werk fortsetzen wollte, kam ich zu spät. Die Henne hatte offensichtlich den Überblick verloren und konsequent alle sieben adoptiert. Tschilp und tschacka!!!

W wie Wirtschaft

Hundeschnauze mit Ball
Umsatzgarant Hund – für Spielzeug und anderes Zubehör greifen deutsche Tierhalter tief in die Tasche

Nie waren sie so wertvoll wie heute – unsere Haustiere. Im Jahr 2014 stellte die Uni Göttingen in einer Studie fest, dass deutsche Hundehalter allein für Hundefutter im Jahr etwa 1,7 Milliarden Euro ausgaben – Tendenz steigend. Dazu kommen immense Umsätze für Zubehör, Pflege und Gesundheits-Versorgung. Die Heimtierbranche in Deutschland wuchs sogar während der Wirtschaftskrise vor rund zehn Jahren, während so gut wie alle anderen Sektoren stagnierten oder schrumpften.
Werfen wir mal einen Blick in einen Fachhandel für Haustierzubehör. Früher gab es im Supermarkt ein bis zwei Regalmeter mit Nass- und Trockenfutter. Das war, nachdem mit Frolic und Chappi als Testraketen eine Ahnung aufkam, dass man mit Futter speziell für Hund und Katze Umsätze generieren kann. Die Abteilungen in den Märkten wuchsen, irgendwann gab es spezielle Einzelhandelsgeschäfte nur für das Tier. Und dann kamen die Ketten. Fressnapf, Futterhaus und Ähnliche bieten auf hunderten Quadratmetern tausende von Artikeln für Hund / Katze / Maus und andere tierische Mitbewohner.
Begleiten Sie mich auf einen Bummel durch den Markt? Eigentlich brauche ich nur Gemüseflocken als Ergänzung zur täglichen Frischfleischration meiner Fellnasen. Auf dem Weg dahin springen mir Kauartikel in den Weg. Ach richtig, meine Freundin hatte getrocknete Kaninchenohren empfohlen – gut für die Zähne und Teil der natürlichen Wurmprophylaxe*. Schon liegt eine Großpackung in meinem Einkaufskörbchen. Daneben ein paar Pansenstreifen, die mögen die Jungs so gerne. Naddel bevorzugt getrocknete Lunge, muss also auch mit.

Golden Retriever mit Kauknochen
Was Bello so braucht – Futter, Knabberzeug und Leckerli darf gerne etwas mehr kosten

Weiter geht es durch die Regale zum Hundespielzeug. Mir fällt ein, dass Ayla Bodos Plüschi zerbissen hat. Und ohne kann er nur schlecht leben. Was nehme ich? Es gibt hunderte von Hundespielzeugen, aus unterschiedlichsten Stoffen, mit Quietschfunktion (welches in Bodo sofort und nachhaltig das Suchtzentrum aktiviert) und ohne, in diversen Größen, bunten Farben und natürlich in allen Preislagen. Vor allem höheren. Ich kann mich nicht entscheiden und kaufe schließlich einen Dummy aus Gummi, eine Comicfigur aus Stoff und – für Schlechtwettertage – ein Strategiespiel.
So, jetzt fehlen nur noch die Gemüseflocken. Dummerweise muss ich dahin die Textilabteilung durchqueren. Und das Naddelchen friert doch immer so. Die neue Kollektion ist soeben eingetroffen! Jedes Mal, wenn ich meiner Püppi einen neuen Mantel besorgt habe, weiß ich hinterher, wie das Modell noch besser aussähe und vor Kälte schützen würde. Und jetzt, heute, hier, ist der tollste Mantel aller Zeiten, mit extra langem Bauchlatz und vielen reflektierenden Streifen, und dazu noch warm gefüttert und todschick. Im Gegensatz zur Konfektionsgröße meines Lebenspartners habe ich Naddels Maße im Kopf.
Neben den Gemüseflocken stoße ich auf Nahrungsergänzung. Und daran kann ich nie vorbeigehen, ohne mich über Neuigkeiten zu informieren und das Beste vom Besten für meine Lieblinge einzusacken. Wie haben eigentlich die Hunde bis ins 20. Jahrhundert überlebt, als es noch nicht hunderte von Mineral-, Vitamin- und Wunderzusätzen gab? Eigentlich unglaublich. Ich meine, die armen Tiere hatten doch schon damals Bedürfnisse! Das muss doch alles ausgewogen sein… Vier verschiedene Dosen wandern in meinen inzwischen gut gefüllten Einkaufskorb.
So, jetzt nur noch die Flocken. Da es verschiedene Sorten gibt, entscheide ich mich für die besten und die allerbesten. Alles für den Dackel, alles für den Hund.

Kleiner niedlicher Hund im roten Mäntelchen
Immer gut angezogen – die Zeit des nackten Fells ist vorbei – fotos: pixabay

Auf dem Weg zur Kasse passiere ich rein zufällig die Hundebettenfachabteilung. Eigentlich brauchen wir nichts… aber wenn ich so recht drüber nachdenke, ist die Schlafstätte von Ayla schon etwas olle. Und es gibt so hübsche neue Modelle, dazu mit Memory Foam – die ideale Unterlage für den älteren Hund. Mir wird sofort klar, dass Naddel und Charly ja wohl zweifelsohne in dem Alter sind, dass sie ein orthopädisches Bett brauchen. Und Bodo soll dabei auch nicht in die Röhre gucken. Ich brauche einen zweiten Einkaufswagen.
Kurz vor der Kasse empfängt mich schließlich eine Aktionsfläche mit dem letzten Schrei: Hundeleckerli auf Basis von frischen Früchten. Die Verpackung lässt eher auf einen Smoothie schließen als auf Drops für Vierbeiner. Gleich daneben die neue Halsband-Kollektion. Ein Must-Have… Bei der Vorstellung, wie niedlich meine vierbeinigen Lieben in ihrem Partnerlook aussehen werden, wird mir warm ums Herz.
Beim Bezahlen muss ich angesichts des Gesamtbetrages dann doch schlucken. Wollte ich nicht nur Gemüseflocken? Schnell überschlage ich meine geplanten Anschaffungen. Die Terrassenmöbel werden wohl noch ein Jahr länger halten müssen… Aber was soll’s, meine Süßen sind es mir wert. Jeden Cent…
Im Jahr 2017 betrug der Gesamtumsatz der Heimtierbranche in Deutschland fast 5 Milliarden Euro.

* Zu diesem Thema gibt es mehr Lesefutter von Annette Dragun: “Tierisches Risiko – Parasiten und Prophylaxe beim Hund”

Big Muddi is watching you

WERBUNG … Offensichtlich siedelt man mich inzwischen in der Garde der Influencer an. Jedenfalls bot man mir an, ein Gerät zu schicken, damit ich es teste und hier im Blog darüber berichte. Na gut, ich bin ja grundsätzlich offen für Neues, und dieser Blog will abwechslungsreich gefüllt sein. Und vielseitig informieren will ich auch, warum also nicht über Produktneuheiten? Wenn ich aber für eine Sache nichts bezahle und darüber berichte, muss ich den Artikel als Werbung kennzeichnen. Soviel vorab.

Produktplatzierung: Die Furbo hat mir Karkalis Communications kostenlos zum Testen zur Verfügung gestellt.

Es erscheint: Die Furbo. Die Verpackung lässt auf einen edlen Inhalt schließen, und was unter vier schützenden Pappschichten auftaucht, ist tatsächlich ein sehr stylisches Gerät. Super schick und auf den ersten Blick durchdacht. Die Furbo steht sehr stabil und hat keine scharfen Kanten oder spitzen Ecken. Sollte man sie auf dem Fußboden platzieren, kann sich ein Hund daran weniger verletzen, als an vielen Möbelstücken.

Die Installation des interaktiven Wuffiwachers ist überraschend einfach. Ich bin ja aus Prinzip misstrauisch, was Gebrauchsanweisungen und Inbetriebnahmen technischer Dinge angeht. Der Furbo liegt nur ein kleines, sehr übersichtliches Faltblatt bei. Ich installiere also auf meinem Handy die App, die im Play- oder Appstore einfach zu finden ist, verbinde die Furbo mit der Steckdose (leider kein Akkubetrieb möglich) und via WLAN mit dem Internet, starte Bluetooth und kopple das Handy mit der Kamera. Die komplette Installation ist intuitiv und selbsterklärend und vor allem: Sie geht ratz fatz. Und schon heißt es: Aufgepasst, liebe Gassibande – Big Muddi is watching you!

Der 160°-Weitwinkel überträgt in toller Qualität meinen kompletten Wohnraum aufs Handy. Ich kann Fotos oder Videos aufnehmen und speichern. Aber was mich vor allem interessiert – hallo Spieltrieb! – ist die Leckerliwurffunktion. Richtig gelesen – die Furbo schmeißt mit Futter um sich. Natürlich nur auf Befehl, dafür gibt es einen Button auf dem Handy-Bildschirm. Drückt man diesen, bringt der Automat einen Signalton (den man personalisieren kann), dann etwas gequälte Motor-Geräusche und zack! – fliegen mehrere Trockenfutterpellets durch die Gegend. Ich teste natürlich am gleichen Abend die Wirkung auf meine Hunde. Stelle fest, dass die Furbo auch als Partygag wertvoll ist. Während Schwester, Schwager, Christian und ich aus einer Kneipe heraus meine Hunde stalken, drücke ich auf den Wurfknopf. Hoppla – Bodo steht direkt vor der Kamera und wird mit Pellets beworfen. Das verunsichert ihn deutlich: Er verweigert die Futteraufnahme und zieht sich skeptisch auf die Couch zurück.

Mein Fehler. Am nächsten Tag trainiere ich mit ihm vor dem Gerät, dass bei diesem unverwechselbar gequälten Geräusch etwas Tolles passiert und man den Output der Maschine unbedingt fressen sollte, bevor es ein Anderer tut.

Aufnahme des Furbo Kamerasystems
Die Kamera liefert sehr klare Bilder, man kann Fotos und Videos aufnehmen und speichern

Auch die Kommunikationsfunktion stelle ich auf die Probe. Darauf aber reagiert keiner meiner Hunde. Naddel nicht, weil sie taub ist, und für Charly und Bodo ist offenbar meine Stimme derart verfremdet, dass es nicht einmal ein Bellen lohnt. Andere Hunde – so lese ich – gehen damit entspannter um und lassen sich auf die verzerrte Stimme trainieren.

Apropos Bellen – ein weiteres Furbo-Gadget ist der Bellalarm. Sobald die Hunde anschlagen, bekommt man eine Nachricht aufs Handy und kann dann via Kamera und App überprüfen, warum sie bellen. Gute Idee, scheitert bei mir in der Praxis leider an der Schnelligkeit. Bis ich nach dem Bellalarm die App eingeschaltet habe und bereit zum Stalken bin, liegt meine Köterbande schon wieder entspannt auf der Couch und pennt. Das ist möglicherweise auch der nicht immer tollen Netzabdeckung in Nordfriesland geschuldet. Die schnellste und sauberste Verbindung bietet immer noch WLAN. Wer mobil ohne Flatrate internettet, sollte den Datenverbrauch im Auge behalten.

Furbo Kamera zeigt Hudn bei der Leckerliaufnahme
Steht der Furbo auf dem Fussboden, ist der Kamerawinkel etwas ungünstig

Welcher Standort ist am günstigsten? Auf dem Fußboden muss man immer damit rechnen, dass der Hund den Futtertank ausräumt. Zudem sieht man von größeren Hunden nur die Beine. Hat man 4beinige Fressmaschinen (wie Labradore) im Haus, stellt man die Furbo besser sehr hoch, allerdings reicht der Kamerawinkel dann nicht ganz aus, um den Raum vor der Furbo abzudecken. Ein verstellbarer Neigungswinkel der Kamera wäre wünschenswert, und dies via Handy bedienbar, wäre schlichtweg genial.

Aber sonst finde ich das Gerät sehr durchdacht und sinnvoll. Wer regelmäßig seine Hunde zu Hause lassen muss, wie die meisten Berufstätigen, hat damit immer die Gewissheit, dass alles in Ordnung ist in Hundhausen. Wichtiger noch ist dieses vielseitige Gerät, um mit einem jungen oder neuen Hund das Alleinebleiben zu trainieren und zu überwachen. Durch die Sprach- und die Leckerliwurffunktion kann man ganz gezielt mit dem Junghund arbeiten und unmittelbar kontrollieren, ob die Lektion sitzt.

Furbo Nachtaufnahme mit 2 Hunden
Selbst bei Dunkelheit hat man seine Hunde mit der Furbo gut im Blick

Bei der Internetsuche nach Erfahrungen mit der Furbo kamen mir noch weitere Anlässe unter, für die ich die Furbo als empfehlenswert beurteile. So zum Beispiel, wenn ein Hund aus gesundheitlichen Gründen viel Ruhe braucht und etwa in einer Box bleiben muss. Eine bessere Kontrollmöglichkeit, als mit dieser tollen Kamera, ist kaum denkbar. Und wer seine Hunde mit in den Urlaub oder auf Kur nimmt und sie mal alleine im (fremden) Zimmer lassen will oder muss, kann ebenfalls ein wachsames Auge auf die lieben Kleinen haben und einschreiten, bevor die Einrichtung geschreddert ist – es muss nur WLAN verfügbar sein.

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H wie Hysterie

Ein großer Teil des gesellschaftlichen Lebens spielt sich heute online ab. Auch Hundebesitzer treffen sich im Netz, diskutieren und fachsimpeln, tauschen sich aus über Lunas Aua und Brunos poop (wie der Amerikaner die Häufchen nennt), prahlen mit den Heldentaten ihrer haarigen Lieblinge, belehren einander mit Erziehungstipps und – beschimpfen sich.

Zum Beispiel, wenn eine Hundemama (zu 90 Prozent tummeln sich besorgte Frauchen in Foren und Sozialen Medien) in einer digitalen Interessengemeinschaft zugibt, sie habe ihrem allerliebsten Hündchen „etwas gegen Flöhe“ gegeben. Das gibt Mecker. Digitale Gruppenkeile. Die Messer sind gewetzt, die verbale Hinrichtung beginnt, Tenor: Wie man seinen Hund vorsätzlich vergiften kann!?! Die Diskussion endet mit dem Rückzug einer Partei. Entweder die vermeintliche Tierquälerin verzichtet darauf, sich weiter zu verteidigen. Oder die Anklagebank verstummt, nachdem die Schuldverdächtige hochmütig erklärt, dass es sich bei dem Flohmittel selbstverständlich um ein pflanzliches, natürliches, veganes, glutenfreies, biologisches, politisch korrektes gehandelt hat.

Hitzige Diskussionen toben im Weltweiten Netz – foto:  andreas160578/pixabay –

Auch in manchen Gruppen für Tiergesundheit, die ich aus beruflichem Interesse gelegentlich konsumiere, gibt es musterhafte Kommunikationsformen. Es winkt Beratung für alle Felle, von Tierbesitzern für Tierbesitzer. Und so postet der naive Neuzugang ein unscharfes Foto von einer kaum zu erkennenden Haut- oder Fellveränderung, oder er beschreibt sehr kurz und sehr allgemein eine leichte Gesundheitsstörung seines Wauzis mit der hoffnungsvollen­ Frage: „Was kann das sein? Hat das schonmal jemand gehabt?“ – Spätestens Kommentator Nummer 3 schickt den Fragesteller direkt zum Tierarzt: „Dr. Google hilft dir da nicht weiter!“ Und kaum weniger lange dauert es, bis ein hysterisches Gruppenmitglied den Killer rausholt, den ultimativen Verfolgungswahn der aufgeklärten Tierhalter: „Hat dein Hund kürzlich eine Impfung (Wurmkur? Flohtropfen?) erhalten? Das sind alle Nervengifte!“

Die weitere Diskussion wird nach 25 bis 90 Kommentaren vom Administrator geschlossen, bevor die ausgetauschten Beleidigungen strafrechtlich relevant werden. Vorher aber haben mindestens vier Teilnehmer noch den Klassiker eingeworfen: „Da musst du barfen!“.

Überhaupt barfen. Ich liebe folgenden Post eines unbekannten Verfassers: „Wenn ich mal Langeweile habe, frage ich in der Gruppe ‚Gesunde Hundeernährung‘, was besser ist: Frolic oder Chappi.“ Denn da kommt Stimmung auf! Das digitale Hauen und Stechen rund um die perfekte Fütterung der Haustiere ist um Welten unterhaltsamer, als jeder Best of-Zusammenschnitt von „Ich bin ein Star… holt mich hier raus“. Gleiches gilt für Impfdiskussionen, Meinungen zur Hundeerziehung oder die Frage nach dem einzig wahren Hundetrainer. Am Ende meiner online-Lektüre denke ich immer: Dass Social Media und Sado Maso die gleichen Initialen tragen, kann kein Zufall sein.

Mehr Lesefutter für Hundehalter: Bücher von Annette Dragun

Freude am Leben

Das Thema Abschied verfolgt mich weiter. Heute mit einem eher skurrilen Erlebnis.

Wir besuchten Freunde an der Ostsee und nutzten den trockenen Himmel für einen Spaziergang am Hundestrand. Nur nebenbei bemerkte ich eine Gruppe von Leuten, die von einem Parkplatz aus aufs Wasser zuliefen. Es waren Erwachsene, Kinder und Teenager, und einige trugen Blumen in der Hand. Als die erste Frau eine Nelke warf, war es schon zu spät. Bodo trippelte kurz hin und her, ihm schwante wohl, dass die Ostsee eher kalt ist, dann überwand er sich und schwamm los. Was ein echter Apportierjunkie ist, lässt sich von norddeutschen Temperaturen nicht blockieren. Brav nahm er die Nelke ins Maul und brachte sie an Land, um sie vorbildlich der Frau zu Füßen zu legen mit der ganz deutlichen Aufforderung: Nochmal bitte.

Erst jetzt ging mir auf, dass die Gruppe offensichtlich eines Verstorbenen gedenken wollte. Bodo paddelte schon wieder vergnügt hinaus, um weitere Blumen zu holen, und ich war jetzt so nah an der Gruppe, dass ich ihre Gespräche hören konnte: „Guck mal, was der Hund schafft. Jetzt müssen wir lachen, obwohl wir so traurig sind“, erklärte ein Erwachsener einem jungen Mädchen. Jemand anders meinte: „Unser Abschied von Opa wird ein unvergessliches Erlebnis…“ Manche der Anwesenden versuchten sichtlich Fassung zu wahren, konnten sich aber das Lachen über Bodos Übereifer nicht verkneifen. Ich entschuldigte mich und meinte: „Hoffentlich mochte die Person, von der Sie sich verabschieden, Hunde!“

Es war eine seltsame Situation, aber den Trauernden schien Bodos unbändige Lebensfreude, sein unschuldiger Spieltrieb gut zu tun. Dennoch versuchte ich diskret, ihn wegzurufen. Bodo wollte natürlich weiterhin Blumen apportieren – erst mein Stöckchenwurf konnte ihn überzeugen, sich uns wieder anzuschließen. Ich hoffe, sein Einsatz als Zeremonienmeister bleibt in guter Erinnerung.

A wie Abschied

Beim Abschied von Campino stellte ich fest, dass ich gelernt habe, den Tod anzunehmen. Wer mit Haustieren zusammenlebt, muss sich ihrer verhältnismäßig kurzen Lebenserwartung bewusst sein. Trotzdem schmerzt es beinahe unerträglich, wenn es so weit ist. Geht ein altes Tier nach vielen gemeinsamen Jahren, kommt man sich vor, als fehle ein Stück. Stirbt das Tier noch jung, verstärkt Unfassbarkeit die Trauer – zu früh ist unfair, die Reihenfolge stimmt so nicht, und überhaupt – Warum?

Tja. Wer will das beantworten. Besser, man nimmt es hin und übt sich in Trauerbewältigung. War das eigentlich schonmal Unwort des Jahres? Oder der Begriff Trauerarbeit? Hört sich anstrengend an – ist es auch.

Mir hilft es, mich an die schönen Momente zu erinnern. Ich bin dankbar für die Zeit, die ich mit Campino (und so einigen vierbeinigen Familienmitgliedern zuvor) verbringen durfte. Für tolle Erlebnisse. Für Lehre, Nähe, Vertrauen, Spaß, für Emotionen. Ich schaue mir gerne Bilder an, ob von ihm alleine oder mit seinem Rudel. Irgendwann werde ich mir auch wieder zutrauen, die Campino-Videos zu gucken.

Messestand eines Tier-Krematoriums
Urnen, Schmuck oder ein Pfotenabdruck – das Andenken an den tierischen Freund kann auf vielerlei Art konserviert werden, wie Firma Rosengarten auf einer Messe präsentiert

Anderen Hundehaltern hilft eine Pilgerstätte, ein Grab, das man schmücken kann. Campino hat seine letzte Ruhestätte hier auf dem Grundstück, doch ist der Platz abgelegen, in einer ruhigen Ecke, und unauffällig. Auch findet man bei mir keinen Altar mit Nippes und LED-Dauerleuchte.

Viele hinterbliebene Besitzer lassen ihren Schatz einäschern, weil kein Grundstück zur Verfügung steht. Wer’s mag, stellt sich die Urne – es gibt eine breite Auswahl wunderschöner Modelle – ins Regal. Daneben macht sich ein Pfotenabdruck aus Gips sehr schön.

Es gibt viele weitere hübsche Möglichkeiten, Andenken an den tierischen Freund zu bewahren. Ein schönes Bild, natürlich, klassisch im Rahmen oder??? Fotos kann man ja heutzutage auf unendlich viele Untergründe drucken lassen – Tassen, T-Shirts, Sofakissen, Handyhüllen, Mousepads, oder als XXXL-Poster. Schön und individuell sind auch Zeichnungen oder Ölgemälde nach Fotovorlagen.

„Ein Stück von dir bleibt bei mir“: Man kann einige Haare (oder eine Kralle) in Schmuckharz gießen lassen und als Ketten- oder Schlüsselanhänger tragen. Oder sich aus Haaren ein Armband flechten lassen. Ein bisschen Fell in einem Traumfänger verarbeitet, macht sich auch gut. Es gibt verschiedene Kunsthandwerker, die sehr individuelle Angebote machen, und manche Ideen lassen sich mit ein wenig Geschick sogar selbst umsetzen. Bei der Beschäftigung damit kann man wieder ein Stückchen mehr loslassen.

Spielt Geld keine Rolle, lässt man sich aus wenigen Gramm Haaren oder Kremationsasche für einen mindestens vierstelligen Betrag einen Edelstein fertigen. Günstiger ist die Variante, etwas Asche in einem Schmuckanhänger mit Hohlraum bei sich zu tragen.

Bei manchen geht die Liebe zum verstorbenen Tier unter die Haut – sie lassen sich ihren Schatz als Tattoo stechen. So konserviert jeder seine Erinnerungen nach seinem Belieben. Es gibt kein Richtig oder Falsch.

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