Campinos Reise – Nachruf

Wenn ich an die zehn Jahre mit Campino denke, erinnere ich mich vor allem an Überraschungen. Zuletzt, als er mit uns nach Deutschland ziehen sollte. Ich befürchtete, er würde vor Panik zergehen, alleine in einer Kiste im Flieger. Also schmuggelte ich ihn in Charlys Transportkiste. Illegal, mir egal, ich wollte das Beste für mein Pinchen. Als ich die Hunde in Hamburg aus der Box holte, stellte ich fest, dass Campino Charly beruhigt hatte, nicht umgekehrt.

Er wuchs so oft über sich hinaus. Ich erfuhr damals, vor 10 Jahren, von einem Hund ohne Zukunft, im Tierheim der Sonnenhunde. Schwer an Leishmaniose erkrankt und voll panischer Angst vor Menschen – unvermittelbar. Wir boten ihm einen Pflegeplatz, wir wollten ihn gesund pflegen und sein Vertrauen in Menschen zurückgeben, so dass ihn eine liebe Familie adoptieren konnte.

Von Vertrauen zurückgeben war keine Rede. Was auch immer diesem Hund angetan wurde, er hatte noch nie eine positive Erfahrung mit

Portrait von Campino im Garten
Mach’s gut, Kleiner. Danke für die schöne Zeit

Menschen gemacht. Er hatte noch nie auf einen Namen gehört. Es dauerte lange, bis er Menschen nicht mehr mit Angst, Leid, Schmerzen verknüpfte. Es dauerte noch länger, bis er Menschen als etwas Gutes ansah. Als ich eines Tages feststellte, dass er sich über Besucher freute, war ich sehr glücklich. Das war lange nachdem wir eingesehen hatten, dass Campino für immer bei uns bleiben musste.

Sein Leben lang verband er Orte mit Erinnerungen.Vielleicht war das sein Trick, Platz zu schaffen – Lebensraum, der frei von bösen Geistern ist. Er lernte schnell, dass ein Auto positiv ist, weil man damit zu schönen Plätzen fährt, wo man tolle Ausflüge macht. Im Auto hatte er nie Schmerzen erfahren. Im Auto konnte er das erste Mal körperliche Berührungen ertragen. Und auf der Couch. Noch nie hatte ihn jemand auf der Couch gequält. Kunststück – wer hätte ihm jemals einen Platz auf der Couch anbieten sollen?

Und obwohl wir Menschen in seinen Augen potentiell gefährlich waren, entwickelte er sich doch zum treuen Freund. Er wusste, wo er hingehört. Bei seinem letzten Umzug mit uns, von Mallorca nach Deutschland, ließ er noch einmal einen großen Sack alter Belastungen auf der Mittelmeerinsel zurück. Nordfriesland war sicher, hier war ihm nie Leid geschehen. Seine beiden letzten Jahre hier, zwischen den Deichen, hat er unendlich genossen. Endlich konnte er entspannt auf Menschen zugehen. Seine Flucht war beendet. Er war angekommen.

In seinen letzten Lebenstagen musste er leider noch einmal Schmerzen ertragen durch einen Bandscheibenvorfall in der Halswirbelsäule, der ihn komplett lähmte. Aber Campino wusste voller Vertrauen, dass wir ihm helfen wollten. Als keine Aussicht auf Heilung bestand, machten wir das Einzige, was wir noch für ihn tun konnten, wir erlösten ihn. Seine letzte Ruhestätte findet er im Herrenkoog, wo er schon vorher seinen Frieden gefunden hatte.

N wie Namen

Rex stirbt aus. Ich weiß, Tyrannosaurus hat’s schon lange hinter sich, aber Rex als Hundename scheint den gleichen Weg zu gehen. Kein Mensch ruft seinen Vierbeiner, ob Schäfer- oder anderer Hund, noch Rex. Das gleiche Schicksal ereilt Bezeichnungen wie Pfiffi oder Lumpi, Strolch oder Molly. Neue Hunde heißen Oskar, Wolfgang und Paula. Oder – das fiel der Kolumnistin einer Hundezeitschrift auf – sie heißen wie Til Schweigers Töchter: Luna, Emma oder Lilli.

Sowas Niedliches kann man einfach nicht Struppi nennen

Sowieso sind Namen, die sich eher nach Kindern anhören als nach Haustieren, ganz groß in Mode. Das entspricht dem Kindchenschema der meist gekauften Rassen: Mops, Französische Bulldogge, Chihuahua und Cavalier King Charles haben große Augen und kleine (manchmal keine) Nasen und bleiben zeitlebens klein wie ein Baby. Man kann sie ausstaffieren wie kleine Toddler* und klar, sowas Niedliches ruft man nicht Bello oder Struppi. Der Hang zu Kindernamen resultiert sicher aus der sympathischen Entwicklung, Hund und Katze mehr als Familienmitglied denn als Haustier zu sehen.

Hip sind und bleiben die Namen von Filmstars und Protagonisten. Jeder kennt Hunde namens Paris oder Jackson, Balou oder – retro ist in – John Boy. Aus dem Trend fallen Namen aus Horrorfilmen. Niemand nennt sein Tier Chucky.

Auch über die Vierbeiner redet man anders. Was früher „mein Hund“ war, ist heute „mein Baby“. Zweibeiner mit kleinen Menschenkindern bezeichnen den Hund als „meine Maus“, um Verwechslungen vorzubeugen. Manche halten es umgekehrt, was ich manchmal verwirrend finde.

Für größere Hunde bleiben Nachnamen in Mode. Schröder heißen Hunde schon, seit der Mann gleichen Namens Bundeskanzler war. Mancher Rottweiler hört auf Hansen, und manchmal gellt ein lautes Schneider! über den Hundeplatz. Ersatzweise die englische Variante Snyder. Überhaupt, Namen aus dem angelsächsischen Sprachraum gehen immer. Ob es Humor ist, warum sie häufig eingedeutscht geschrieben werden, oder ob Leines, Baddy und Teisen aus mangelnden Fremdsprachekenntnissen resultieren, ich weiß es nicht.

*englische Bezeichnung für Kleinkinder im niedlichsten Alter, die mehr durch die Gegend stolpern als laufen

Für mehr Lesefutter hier klicken: Bücher von Annette Dragun

 

Erst prüfen, dann teilen

Eine Sprachnachricht wird aktuell über whatsapp verbreitet: In Rendsburg sei es in letzter Zeit vermehrt zu Hundediebstählen gekommen. Der Text ist mit Details geschmückt, etwa dass ein Hund am Kinderwagen angebunden war und als der Besitzer aus dem Laden kam, war der Hund weg („…das Kind zum Glück noch da“). Dazu gibt es gleich eine zweite Sprachnachricht, „Hier bei uns“ – Ort wird nicht genannt – werden ganz viele Hunde geklaut, direkt aus den Gärten, der Besitzer findet dann nur noch das Halsband vor der Haustür.

Fake News: Weihnachtsmann vermisst! Gefunden wurde nur die Mütze.

Spätestens an dieser Stelle werde ich misstrauisch. Wer einen Hund klaut, lässt das Halsband zurück? Mal ernsthaft – wer teilt so einen Unsinn?

Bevor auch ich panisch auf „weiterleiten“ drücke, rufe ich lieber die Polizei Rendsburg an. Der diensthabende Beamte lacht auf, als ich mein Anliegen erkläre: „Sie sind heute gefühlt die dreihundertste Anruferin“. Ihm sei aus den letzten sieben Tagen das Verschwinden von zwei Hunden bekannt. Mehr seien nicht zur Anzeige gebracht worden.

Auch die Dame aus meinen whatsapp-Kontakten rudert zurück. Ich hatte ihr geraten, die „Info“ nicht weiter zu teilen, da ich sie für einen Fake halte. Sinnigerweise fragt sie mich, ob ich denn schon den Tierschutzverein angerufen hätte. Das was sie verpasste, bevor sie auf „teilen“ klickte. Wenig später merkt sie kleinlaut an, dass es sich wohl tatsächlich um eine absichtlich verbreitete Falschmeldung handelt. Und beklagt sich, wie man so mit den Ängsten der Menschen spielen könne.

Ja, das ist böse und gemein. Aber jeder, der solche Räuberpistolen ungeprüft über Nachrichtendienste und soziale Medien teilt, stellt sich in den Dienst dieser gar nicht guten Sache. So etwas verbreitet weit mehr Panik, als die tatsächliche Gefahrenlage verlangt. Die Unsicherheit der Menschen im relativ sicheren Deutschland ist nicht zuletzt deshalb so groß, weil immer wieder Fake-Nachrichten Ängste schüren. Teilt lieber etwas Schönes, etwas zum lachen, auch gerne zum Nachdenken, oder dies: Wir wünschen fröhliche Weihnachten ohne schlechte Nachrichten!!!

 

Mein neues Buch

Mein neuer Ratgeber für alle Hundefreunde ist da! Tierisches Risiko – Parasiten und Prophylaxe beim Hund (ISBN 9783748165286 / 240 Seiten / 18,90 Euro).Erhältlich ab sofort in allen Buchhandlungen und HIER (klicken)

Zum Inhalt: Monatlich ein Spot on gegen Flöhe und Zecken, vierteljährlich die Wurmpille und jedes Jahr ein kleiner Pieks, die Impfung: Für die meisten Hunde seit Jahrzehnten Standardprogramm. Gleichzeitig steigt die Zahl der chronischen Erkrankungen – gibt es da einen Zusammenhang? Das Misstrauen der Halter wächst. Sie wollen das Beste für ihr Tier, doch die Unsicherheit ist groß.
Dieses Buch klärt auf: Welche Gefahr droht wirklich durch Parasiten? Für welche Hunde sind Prophylaxe-Maßnahmen unerlässlich? Drohen Nebenwirkungen durch die Medikamente, gibt es sichere Alternativen? Welche Impfungen müssen sein und wie oft? Auf welche kann man, auf welche sollte man verzichten?
Fundiert, verständlich und gewohnt unterhaltsam liefert Tierheilpraktikerin Annette Dragun Antworten auf drängende Fragen und Tipps zur Vorsorge. Dabei liegt ihr Schwarz-Weiß-Malerei fern. Weder verteufelt sie die Schulmedizin noch verherrlicht sie die alternativen Therapien. Ihr Prinzip lautet: Alles zu seiner Zeit, und alles zum Wohl des Patienten.

Barfuß ins Watt

Nach einem fulminanten Sommer beglückt uns auch der Herbst in Nordfriesland weiterhin mit ungewöhnlich warmen Tagen. So konnte ich heute noch  einmal mit Familie und den Hunden ins Watt, und zwar barfuß. In Dagebüll nutzten viele Menschen das herrliche Wetter für ausgiebige Spaziergänge – Urlauber und Einheimische, mit und ohne Hund(en).

Lebens-Lehren

Im Netz geht es geht eine wunderschöne Geschichte um, die ich hier einfach mal weiter verbreite. Der Verfasser ist unbekannt, aber von hier aus ein dickes Dankeschön für diese weisen Sätze:

Warum Hunde nicht länger leben als Menschen
Der kleine Junge Shane und sein Hund Belker waren ein Herz und eine Seele. Sie verbrachten jede freie Minute miteinander und Belker begleitete Shane jeden Tag zur Schule und wieder retour. Eines Tages jedoch stellte der Tierarzt beim Hund eine schwere Krebserkrankung fest. Da der Krebs unheilbar war und um Belker größeres Leid zu ersparen, musste ein Termin für die Einschläferung des Hundes vereinbart werden.
Die Einschläferung fand im engsten Kreis der Familie statt und es herrschte eine traurige Stimmung. Auch Shane durfte dabei sein, da die Eltern der Meinung waren, dass er dabei auch etwas lernen konnte. Shane wirkte sehr ruhig, als er den Hund zum letzten Mal streichelte. Wenige Minuten später war Belker friedlich gestorben. Doch der kleine Junge schien den Tod des Hundes ohne größere Schwierigkeiten hinzunehmen. Er vergoss keine Träne, sondern saß nur still bei Belker und hielt seinen Kopf. Als die Erwachsenen diskutierten, warum das Leben eines Tieres eigentlich so kurz sein musste, fiel ihnen Shane plötzlich ins Wort. Mit seiner Antwort sollte er alle überraschen.

Shane sagte: “Die Menschen werden geboren, um zu lernen, wie sie ein gutes Leben führen, richtig? Wie sie lieben und teilen und zu allen freundlich sein können. Na ja, Hunde müssen das nicht lernen. Sie wissen doch schon wie das geht. Deswegen müssen sie auch nicht so lange bleiben.“

Diese Worte von dem kleinen Jungen trafen direkt in das Herz der Anwesenden. Shane hatte das Glück, einen Hund als Lehrer zu haben, welcher ihm die einfachsten Weisheiten des Lebens lehrte:

Lebe einfach.
Liebe großzügig.
Sei vorsichtig.
Spreche freundlich.

Wenn ein Hund Dein Lehrer wäre, würdest Du Dinge lernen wie:

• Wenn Ihre Lieben nach Hause kommen, rennen sie immer, um sie zu begrüßen.
• niemals die Gelegenheit verstreichen lassen, eine Spritztour zu machen.
• genieße täglich frische Luft und den Wind in Deinem Gesicht
• mache Nickerchen
• Strecke Dich vor dem Aufstehen.
• Laufe, tobe und spiele täglich
• sei aufmerksam und lass Dich von Menschen berühren.
• Vermeide zu beißen, wenn es auch ein einfaches knurren tut
• leg Dich an warmen Tagen auf den Rasen
• trink an heißen Tagen viel Wasser und genieß den Tag unter einem schattigen Baum
• wenn Du glücklich bist, tanz herum und beweg Deinen ganzen Körper.
• Freue Dich an den einfachsten Dingen, wie z.B. an einem langen Spaziergang
• sei treu.
• Tu nie so, als wärst du etwas, das du nicht bist.
• Wenn das, was du willst, begraben ist, Grabe solange, bis du es findest.
• Wenn jemand einen schlechten Tag hat, schweige, setz Dich in die Nähe und kuschel behutsam