A wie Autokorrektur

Beispiel für Autokorrektur: Freue mich auf Regen Austasuch
Möchte jemand Regen tauschen?

Der moderne Mensch, genannt Homo mobilis, erledigt nicht nur die persönliche Kommunikation über Messengerdienste, immer mehr Menschen haben ihre Arbeit von Computer oder Laptop aufs Handy verlagert. Leider ist die Eingabemöglichkeit nicht besonders ergonomisch. Die winzigen Buchstabenfelder sind leicht zu verfehlen. Bei der automatischen Spracherkennung kommt es häufig zu Missverständnissen. Zum Glück schnitzt die Autokorrektur aus jedem Buchstabenwirrwar ein existierendes Wort. Das aber muss nicht im Mindesten mit dem sonstigen Inhalt harmonieren. Daraus ergeben sich sehr witzige Aussagen – hier kommen einige Beispiele. Sie entstammen alle verschiedenen Foren und Facebook-Gruppen mit Bezug zur Tiermedizin.

  • So verwandeln sich Giardien wahlweise in Geranien oder Gardinen. woanders hat ein Hund Kokoziden (es sollen Kokzidien sein).
  • In einer Online-Diskussion über Wurmkuren schreibt jemand: “Kostprobe ist nicht immer aussagekräftig” – Das denke ich auch, ich würde es mit einer Kotprobe versuchen.
  • Eine Hundehalterin beschreibt: “Seine Symptome waren Bauschschmerzen, Spuken und Fieber.” – Gruselig, oder? Vermutlich wollte sie “spucken” schreibenEine andere vermutet bei ihrem Hund etwas ähnliches “wie Morbus Chrom” – Morbus Edelstahl wäre vielleicht günstiger? (Sie meinte sicher Morbus Crohn)
  • Aus dem Winter: “Ich habe einen ohrenschutz wärmer für Wundhunde gehabt” – Echt jetzt, Wundhunde? Neue Rasse? Oder doch Windhunde?
  • „… denn man sieht mal wieder, dass diese Prophylaxe mehr als flüssig ist.“ – … wenn nicht sogar überflüssig!
  • “Als sie zu mir kam hat sie leider Gottes Flöhe mitgebracht…” – Gott hatte Flöhe? Gut, dass die jetzt auf dem Hund sind! LOL – Das hat jetzt weniger mit der Besserwisser-Korrektur zu tun, denn von der Rechtschreibung her ist es korrekt, nur leider Gottes missverständlich aufgrund des Satzbaus.
  • Hier fehlte die Autokorrektur: “Dieser kleine Rüde, 2 Jahre, wird ein Scheidungsweise !!!!!!!” – Schön, dass er weise wird, als Waise hätte er mir leid getan!
  • “Ich war mit meinem Hund 12 Jahre beim Tierarzt…” — die Tücken der Zeichensetzung. War sie wirklich 12 Jahre lang beim Tierarzt? Die arme…. Oder war sie mit ihrem Hund, 12 Jahre, beim Tierarzt? Werden wir es je erfahren?
  • “Mein Kater wurde eben auf dem Balkon von einer Wespe gestochen. Er hat direkt seine Pfote abgelegt.” – Nanu – braucht er die nicht mehr? Oder hat er sie abgeleckt?
  • “Er ist in schulmedizinischer Behandlung, wird 2 x am Tag gelästert, gespült und…” – Ach Gottchen… zweimal täglich lästern ist wirklich nicht gesundheitsfördernd. Vielleicht hilft lasern?
  • Schaffensbekämpfung statt Schadensbegrenzung - Autokorrektur aktiv
    Ein typisches Beispiel für sinnlose Worterkennung. Hier fiel es rechtzeitig auf

    “Bitte kontrollieren lassen und einen Abzug einschicken lassen” – Der wohlmeinende Rat auf die Frage, ob zwei Knubbel an der Hundeseite Grund für einen Tierarztbesuch seien. Was der Abzug soll und wohin sie ihn schicken soll, wurde leider nie geklärt.

  • “Popkultur wurde angelegt” – Sehr unterhaltsam, aber kann man damit einen Pilzverdacht klären?
  • Wir haben einen Futterbaum mit hochwertigem hypoallergenem Trockenfutter – Hier bin ich reingefallen! Ich dachte, dass die Autokorrektur den Futterbaum erfunden hat, denn dass Katzenfutter auf Bäumen wächst, wäre mir neu. Es gibt aber tatsächlich maumförmige Futterlabyrinthe, die die Katze zum Spielen und Langsam-Fressen animieren!
  • “Auf jedenfalls nicht mit den Finger dran rum wichen. Die sind immer schmutzig. Was wir alles anfallen im laufe des Tages.” — – Vorsicht vor dieser Posterin – scheint gefährlich zu sein, neigt zum anfallen.
  • … und dann liebe ich noch aus den Kleinanzeigen den Hinweis “Aus nichtraucherfreiem Haushalt”

K wie Klimasünder

Es ist DAS Thema unserer Zeit: Wie groß ist der ökologische Fußabdruck eines jeden von uns? Das aktuelle mediale Trommelfeuer lässt kaum jemanden unberührt. Ob beim Autofahren, Essen, Shoppen oder bei der Reiseplanung… Auch ich mache mir immer häufiger Gedanken über die Auswirkungen meines Tuns auf die Zukunft dieser Erde.

Rette sich wer kann – auch Hunde hinterlassen einen ökologischen Pfotenabdruck (foto: K. Wald)

 

Und so kann ich auch diese Aussage nicht ignorieren: Wer einen Hund hat, ist ein Klimasünder. Also bin ich aktuell drei Klimasünder – sorry, Spaß beiseite. Das Thema ist zu ernst.

Denn Fakt ist: Haustiere verschlechtern die persönliche CO2-Bilanz. So berechnete das Internetportal Utopia, dass für die Haltung einer Katze jährlich 2,2 Tonnen Kohlenstoffdioxid entstünden – durch die Futterherstellung inklusive der Verwertung von Dosen und Tüten sowie durch die Produktion und Entsorgung von Katzenstreu. Ein Dackel komme da etwas günstiger mit 1,8 Tonnen, aber schon ein mittelgroßer Hund hinterlasse einen ähnlich großen CO2-Fußabdruck wie ein Geländewagen.

Die Werte sind natürlich umgerechnet. Im Gegensatz zu Kühen pupsen Katzen und Hunde relativ wenig klimaschädliches Gas in die Luft. Hauptgrund für die Umweltbelastung ist ihr Fleischkonsum. Das Portal Scinexx rechnet aus: „Die rund 163 Millionen Hunde und Katzen in den USA konsumieren jährlich so viele Kalorien wie die gesamte Bevölkerung Frankreichs – oder wie 60 Millionen Amerikaner.“ – „In Bezug auf Landnutzung, Wasserverbrauch und die Verbrennung fossiler Brennstoffe hat die Futterversorgung der Hunde und Katzen eine Umweltwirkung, die rund 25 bis 30 Prozent von der des Menschen ausmacht“, zitiert das Scinexx den Forscher Gregory Okin von der University of California in Los Angeles, „bei Phosphat und Pestiziden sind es rund 26 Prozent.“

Das ist heftig. Die Krux: Je besser ich meine Hunde ernähre, desto schlechter für das Klima. Denn hochwertige Fütterung bedeutet gemeinhin einen hohen Anteil an gutem Fleisch. Das heißt, für meine Hunde müssen zusätzliche Hühner, Rinder und andere Nahrungslieferanten gehalten werden. Günstiger für ihren ökologischen Pfotenabdruck wäre der Napf voll billigem Trockenfutter, das fast nur Schlacht- und Getreideabfälle enthält.

Andererseits ist Trockenfutter sehr energieintensiv in der Herstellung – verflixt, das Thema ist komplex, bleiben wir beim Fleisch. Um die Klimaschutzziele von Paris zu erreichen, sagen Forscher, muss der Nutztierbestand in Deutschland bis 2050 halbiert werden, und die Menschen hierzulande sollten nur noch halb so viel tierische Produkte essen wie heute (Quelle: taz). Wie viele Haustiere darf ich artgerecht ernähren, wenn ich selbst verzichte? Oder muss ich, der Umwelt zuliebe, meine Hunde abschaffen? Und am besten mich selbst gleich mit?

printscreen aus einem Selbsttest zur Messung des persönlichen CO-2-Fußabdrucks
Wer den Selbsttest bei mein-fussabdruck.at macht, beantwortet auch die Frage nach der Anzahl der Hunde – und ihrer Nutzer

Es ist für Bewohner der Industriestaaten schwierig bis unmöglich, ein klimaneutrales Leben zu führen. Man kann allenfalls die Belastung begrenzen, Tag für Tag unzählige Male ein kleineres Übel wählen. Bahn statt Auto fahren, lokales Bio- statt importiertes Industriegemüse essen, den Konsum beschränken, den Müll durch bewussten Einkauf reduzieren… Es gibt unzählige Möglichkeiten. Ein resigniertes „Was kann ICH alleine schon aufrichten…“ ist die schlechteste. Jedes Kilo CO2 ist wichtig. Jedes Gramm chemisch-synthetischer Pflanzenschutzmittel weniger ist ein Gewinn.

Jedes Haustier weniger auch? Es gibt andere Forscher mit anderen Zahlen, die das persönliche Gewissen nicht so stark strapazieren. Für die Schweiz errechnet Niels Jungbluth, Geschäftsführer der auf Ökobilanzierung spezialisierten Firma EU-Services, dass Haustiere nur ein Prozent der durch Konsum verursachten Umweltbelastung ausmachen. Weit davor stünden Mobilität, Ernährung und Wohnen.

Und kaum zu bilanzieren sind die Vorteile unserer vierbeinigen Lieblinge für die Volksgesundheit. Katzen senken den Blutdruck und Hunde sorgen für Bewegung. Und das ganz ohne Abgase – wenn man darauf verzichtet, mit dem Auto ins Grüne zum Gassi zu fahren.

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W wie Wirtschaft

Hundeschnauze mit Ball
Umsatzgarant Hund – für Spielzeug und anderes Zubehör greifen deutsche Tierhalter tief in die Tasche

Nie waren sie so wertvoll wie heute – unsere Haustiere. Im Jahr 2014 stellte die Uni Göttingen in einer Studie fest, dass deutsche Hundehalter allein für Hundefutter im Jahr etwa 1,7 Milliarden Euro ausgaben – Tendenz steigend. Dazu kommen immense Umsätze für Zubehör, Pflege und Gesundheits-Versorgung. Die Heimtierbranche in Deutschland wuchs sogar während der Wirtschaftskrise vor rund zehn Jahren, während so gut wie alle anderen Sektoren stagnierten oder schrumpften.
Werfen wir mal einen Blick in einen Fachhandel für Haustierzubehör. Früher gab es im Supermarkt ein bis zwei Regalmeter mit Nass- und Trockenfutter. Das war, nachdem mit Frolic und Chappi als Testraketen eine Ahnung aufkam, dass man mit Futter speziell für Hund und Katze Umsätze generieren kann. Die Abteilungen in den Märkten wuchsen, irgendwann gab es spezielle Einzelhandelsgeschäfte nur für das Tier. Und dann kamen die Ketten. Fressnapf, Futterhaus und Ähnliche bieten auf hunderten Quadratmetern tausende von Artikeln für Hund / Katze / Maus und andere tierische Mitbewohner.
Begleiten Sie mich auf einen Bummel durch den Markt? Eigentlich brauche ich nur Gemüseflocken als Ergänzung zur täglichen Frischfleischration meiner Fellnasen. Auf dem Weg dahin springen mir Kauartikel in den Weg. Ach richtig, meine Freundin hatte getrocknete Kaninchenohren empfohlen – gut für die Zähne und Teil der natürlichen Wurmprophylaxe*. Schon liegt eine Großpackung in meinem Einkaufskörbchen. Daneben ein paar Pansenstreifen, die mögen die Jungs so gerne. Naddel bevorzugt getrocknete Lunge, muss also auch mit.

Golden Retriever mit Kauknochen
Was Bello so braucht – Futter, Knabberzeug und Leckerli darf gerne etwas mehr kosten

Weiter geht es durch die Regale zum Hundespielzeug. Mir fällt ein, dass Ayla Bodos Plüschi zerbissen hat. Und ohne kann er nur schlecht leben. Was nehme ich? Es gibt hunderte von Hundespielzeugen, aus unterschiedlichsten Stoffen, mit Quietschfunktion (welches in Bodo sofort und nachhaltig das Suchtzentrum aktiviert) und ohne, in diversen Größen, bunten Farben und natürlich in allen Preislagen. Vor allem höheren. Ich kann mich nicht entscheiden und kaufe schließlich einen Dummy aus Gummi, eine Comicfigur aus Stoff und – für Schlechtwettertage – ein Strategiespiel.
So, jetzt fehlen nur noch die Gemüseflocken. Dummerweise muss ich dahin die Textilabteilung durchqueren. Und das Naddelchen friert doch immer so. Die neue Kollektion ist soeben eingetroffen! Jedes Mal, wenn ich meiner Püppi einen neuen Mantel besorgt habe, weiß ich hinterher, wie das Modell noch besser aussähe und vor Kälte schützen würde. Und jetzt, heute, hier, ist der tollste Mantel aller Zeiten, mit extra langem Bauchlatz und vielen reflektierenden Streifen, und dazu noch warm gefüttert und todschick. Im Gegensatz zur Konfektionsgröße meines Lebenspartners habe ich Naddels Maße im Kopf.
Neben den Gemüseflocken stoße ich auf Nahrungsergänzung. Und daran kann ich nie vorbeigehen, ohne mich über Neuigkeiten zu informieren und das Beste vom Besten für meine Lieblinge einzusacken. Wie haben eigentlich die Hunde bis ins 20. Jahrhundert überlebt, als es noch nicht hunderte von Mineral-, Vitamin- und Wunderzusätzen gab? Eigentlich unglaublich. Ich meine, die armen Tiere hatten doch schon damals Bedürfnisse! Das muss doch alles ausgewogen sein… Vier verschiedene Dosen wandern in meinen inzwischen gut gefüllten Einkaufskorb.
So, jetzt nur noch die Flocken. Da es verschiedene Sorten gibt, entscheide ich mich für die besten und die allerbesten. Alles für den Dackel, alles für den Hund.

Kleiner niedlicher Hund im roten Mäntelchen
Immer gut angezogen – die Zeit des nackten Fells ist vorbei – fotos: pixabay

Auf dem Weg zur Kasse passiere ich rein zufällig die Hundebettenfachabteilung. Eigentlich brauchen wir nichts… aber wenn ich so recht drüber nachdenke, ist die Schlafstätte von Ayla schon etwas olle. Und es gibt so hübsche neue Modelle, dazu mit Memory Foam – die ideale Unterlage für den älteren Hund. Mir wird sofort klar, dass Naddel und Charly ja wohl zweifelsohne in dem Alter sind, dass sie ein orthopädisches Bett brauchen. Und Bodo soll dabei auch nicht in die Röhre gucken. Ich brauche einen zweiten Einkaufswagen.
Kurz vor der Kasse empfängt mich schließlich eine Aktionsfläche mit dem letzten Schrei: Hundeleckerli auf Basis von frischen Früchten. Die Verpackung lässt eher auf einen Smoothie schließen als auf Drops für Vierbeiner. Gleich daneben die neue Halsband-Kollektion. Ein Must-Have… Bei der Vorstellung, wie niedlich meine vierbeinigen Lieben in ihrem Partnerlook aussehen werden, wird mir warm ums Herz.
Beim Bezahlen muss ich angesichts des Gesamtbetrages dann doch schlucken. Wollte ich nicht nur Gemüseflocken? Schnell überschlage ich meine geplanten Anschaffungen. Die Terrassenmöbel werden wohl noch ein Jahr länger halten müssen… Aber was soll’s, meine Süßen sind es mir wert. Jeden Cent…
Im Jahr 2017 betrug der Gesamtumsatz der Heimtierbranche in Deutschland fast 5 Milliarden Euro.

* Zu diesem Thema gibt es mehr Lesefutter von Annette Dragun: “Tierisches Risiko – Parasiten und Prophylaxe beim Hund”

H wie Hysterie

Ein großer Teil des gesellschaftlichen Lebens spielt sich heute online ab. Auch Hundebesitzer treffen sich im Netz, diskutieren und fachsimpeln, tauschen sich aus über Lunas Aua und Brunos poop (wie der Amerikaner die Häufchen nennt), prahlen mit den Heldentaten ihrer haarigen Lieblinge, belehren einander mit Erziehungstipps und – beschimpfen sich.

Zum Beispiel, wenn eine Hundemama (zu 90 Prozent tummeln sich besorgte Frauchen in Foren und Sozialen Medien) in einer digitalen Interessengemeinschaft zugibt, sie habe ihrem allerliebsten Hündchen „etwas gegen Flöhe“ gegeben. Das gibt Mecker. Digitale Gruppenkeile. Die Messer sind gewetzt, die verbale Hinrichtung beginnt, Tenor: Wie man seinen Hund vorsätzlich vergiften kann!?! Die Diskussion endet mit dem Rückzug einer Partei. Entweder die vermeintliche Tierquälerin verzichtet darauf, sich weiter zu verteidigen. Oder die Anklagebank verstummt, nachdem die Schuldverdächtige hochmütig erklärt, dass es sich bei dem Flohmittel selbstverständlich um ein pflanzliches, natürliches, veganes, glutenfreies, biologisches, politisch korrektes gehandelt hat.

Hitzige Diskussionen toben im Weltweiten Netz – foto:  andreas160578/pixabay –

Auch in manchen Gruppen für Tiergesundheit, die ich aus beruflichem Interesse gelegentlich konsumiere, gibt es musterhafte Kommunikationsformen. Es winkt Beratung für alle Felle, von Tierbesitzern für Tierbesitzer. Und so postet der naive Neuzugang ein unscharfes Foto von einer kaum zu erkennenden Haut- oder Fellveränderung, oder er beschreibt sehr kurz und sehr allgemein eine leichte Gesundheitsstörung seines Wauzis mit der hoffnungsvollen­ Frage: „Was kann das sein? Hat das schonmal jemand gehabt?“ – Spätestens Kommentator Nummer 3 schickt den Fragesteller direkt zum Tierarzt: „Dr. Google hilft dir da nicht weiter!“ Und kaum weniger lange dauert es, bis ein hysterisches Gruppenmitglied den Killer rausholt, den ultimativen Verfolgungswahn der aufgeklärten Tierhalter: „Hat dein Hund kürzlich eine Impfung (Wurmkur? Flohtropfen?) erhalten? Das sind alle Nervengifte!“

Die weitere Diskussion wird nach 25 bis 90 Kommentaren vom Administrator geschlossen, bevor die ausgetauschten Beleidigungen strafrechtlich relevant werden. Vorher aber haben mindestens vier Teilnehmer noch den Klassiker eingeworfen: „Da musst du barfen!“.

Überhaupt barfen. Ich liebe folgenden Post eines unbekannten Verfassers: „Wenn ich mal Langeweile habe, frage ich in der Gruppe ‚Gesunde Hundeernährung‘, was besser ist: Frolic oder Chappi.“ Denn da kommt Stimmung auf! Das digitale Hauen und Stechen rund um die perfekte Fütterung der Haustiere ist um Welten unterhaltsamer, als jeder Best of-Zusammenschnitt von „Ich bin ein Star… holt mich hier raus“. Gleiches gilt für Impfdiskussionen, Meinungen zur Hundeerziehung oder die Frage nach dem einzig wahren Hundetrainer. Am Ende meiner online-Lektüre denke ich immer: Dass Social Media und Sado Maso die gleichen Initialen tragen, kann kein Zufall sein.

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A wie Abschied

Beim Abschied von Campino stellte ich fest, dass ich gelernt habe, den Tod anzunehmen. Wer mit Haustieren zusammenlebt, muss sich ihrer verhältnismäßig kurzen Lebenserwartung bewusst sein. Trotzdem schmerzt es beinahe unerträglich, wenn es so weit ist. Geht ein altes Tier nach vielen gemeinsamen Jahren, kommt man sich vor, als fehle ein Stück. Stirbt das Tier noch jung, verstärkt Unfassbarkeit die Trauer – zu früh ist unfair, die Reihenfolge stimmt so nicht, und überhaupt – Warum?

Tja. Wer will das beantworten. Besser, man nimmt es hin und übt sich in Trauerbewältigung. War das eigentlich schonmal Unwort des Jahres? Oder der Begriff Trauerarbeit? Hört sich anstrengend an – ist es auch.

Mir hilft es, mich an die schönen Momente zu erinnern. Ich bin dankbar für die Zeit, die ich mit Campino (und so einigen vierbeinigen Familienmitgliedern zuvor) verbringen durfte. Für tolle Erlebnisse. Für Lehre, Nähe, Vertrauen, Spaß, für Emotionen. Ich schaue mir gerne Bilder an, ob von ihm alleine oder mit seinem Rudel. Irgendwann werde ich mir auch wieder zutrauen, die Campino-Videos zu gucken.

Messestand eines Tier-Krematoriums
Urnen, Schmuck oder ein Pfotenabdruck – das Andenken an den tierischen Freund kann auf vielerlei Art konserviert werden, wie Firma Rosengarten auf einer Messe präsentiert

Anderen Hundehaltern hilft eine Pilgerstätte, ein Grab, das man schmücken kann. Campino hat seine letzte Ruhestätte hier auf dem Grundstück, doch ist der Platz abgelegen, in einer ruhigen Ecke, und unauffällig. Auch findet man bei mir keinen Altar mit Nippes und LED-Dauerleuchte.

Viele hinterbliebene Besitzer lassen ihren Schatz einäschern, weil kein Grundstück zur Verfügung steht. Wer’s mag, stellt sich die Urne – es gibt eine breite Auswahl wunderschöner Modelle – ins Regal. Daneben macht sich ein Pfotenabdruck aus Gips sehr schön.

Es gibt viele weitere hübsche Möglichkeiten, Andenken an den tierischen Freund zu bewahren. Ein schönes Bild, natürlich, klassisch im Rahmen oder??? Fotos kann man ja heutzutage auf unendlich viele Untergründe drucken lassen – Tassen, T-Shirts, Sofakissen, Handyhüllen, Mousepads, oder als XXXL-Poster. Schön und individuell sind auch Zeichnungen oder Ölgemälde nach Fotovorlagen.

„Ein Stück von dir bleibt bei mir“: Man kann einige Haare (oder eine Kralle) in Schmuckharz gießen lassen und als Ketten- oder Schlüsselanhänger tragen. Oder sich aus Haaren ein Armband flechten lassen. Ein bisschen Fell in einem Traumfänger verarbeitet, macht sich auch gut. Es gibt verschiedene Kunsthandwerker, die sehr individuelle Angebote machen, und manche Ideen lassen sich mit ein wenig Geschick sogar selbst umsetzen. Bei der Beschäftigung damit kann man wieder ein Stückchen mehr loslassen.

Spielt Geld keine Rolle, lässt man sich aus wenigen Gramm Haaren oder Kremationsasche für einen mindestens vierstelligen Betrag einen Edelstein fertigen. Günstiger ist die Variante, etwas Asche in einem Schmuckanhänger mit Hohlraum bei sich zu tragen.

Bei manchen geht die Liebe zum verstorbenen Tier unter die Haut – sie lassen sich ihren Schatz als Tattoo stechen. So konserviert jeder seine Erinnerungen nach seinem Belieben. Es gibt kein Richtig oder Falsch.

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N wie Namen

Rex stirbt aus. Ich weiß, Tyrannosaurus hat’s schon lange hinter sich, aber Rex als Hundename scheint den gleichen Weg zu gehen. Kein Mensch ruft seinen Vierbeiner, ob Schäfer- oder anderer Hund, noch Rex. Das gleiche Schicksal ereilt Bezeichnungen wie Pfiffi oder Lumpi, Strolch oder Molly. Neue Hunde heißen Oskar, Wolfgang und Paula. Oder – das fiel der Kolumnistin einer Hundezeitschrift auf – sie heißen wie Til Schweigers Töchter: Luna, Emma oder Lilli.

Sowas Niedliches kann man einfach nicht Struppi nennen

Sowieso sind Namen, die sich eher nach Kindern anhören als nach Haustieren, ganz groß in Mode. Das entspricht dem Kindchenschema der meist gekauften Rassen: Mops, Französische Bulldogge, Chihuahua und Cavalier King Charles haben große Augen und kleine (manchmal keine) Nasen und bleiben zeitlebens klein wie ein Baby. Man kann sie ausstaffieren wie kleine Toddler* und klar, sowas Niedliches ruft man nicht Bello oder Struppi. Der Hang zu Kindernamen resultiert sicher aus der sympathischen Entwicklung, Hund und Katze mehr als Familienmitglied denn als Haustier zu sehen.

Hip sind und bleiben die Namen von Filmstars und Protagonisten. Jeder kennt Hunde namens Paris oder Jackson, Balou oder – retro ist in – John Boy. Aus dem Trend fallen Namen aus Horrorfilmen. Niemand nennt sein Tier Chucky.

Auch über die Vierbeiner redet man anders. Was früher „mein Hund“ war, ist heute „mein Baby“. Zweibeiner mit kleinen Menschenkindern bezeichnen den Hund als „meine Maus“, um Verwechslungen vorzubeugen. Manche halten es umgekehrt, was ich manchmal verwirrend finde.

Für größere Hunde bleiben Nachnamen in Mode. Schröder heißen Hunde schon, seit der Mann gleichen Namens Bundeskanzler war. Mancher Rottweiler hört auf Hansen, und manchmal gellt ein lautes Schneider! über den Hundeplatz. Ersatzweise die englische Variante Snyder. Überhaupt, Namen aus dem angelsächsischen Sprachraum gehen immer. Ob es Humor ist, warum sie häufig eingedeutscht geschrieben werden, oder ob Leines, Baddy und Teisen aus mangelnden Fremdsprachekenntnissen resultieren, ich weiß es nicht.

*englische Bezeichnung für Kleinkinder im niedlichsten Alter, die mehr durch die Gegend stolpern als laufen

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