100 Prozent, dauerhaft

Als Tierheilpraktikerin habe ich schon seit Praxisgründung mit Allergien zu tun. Jetzt hat es mich auch privat erwischt: Bodo ist Allergiker.

Als er zu uns kam, fiel gleich die Ohrenentzündung auf. Die Ohren waren so verdreckt und entzündet, dass wir sie in Narkose reinigten (die Kastration und damit eine Narkose war eh fällig). Doch die Symptome wurden kaum weniger, und nun fiel auf, dass er sich auch an anderen Stellen des Körpers kratzte und biss.

Hund Bodo hat Futtermittelallergie
Man sieht es ihm nicht an: Bodo reagiert übersensibel

Eine hartnäckige Otitis ist häufig ein Zeichen einer Allergie. Mit diesem Wissen unterzog ich Bodo zunächst einer Gegensensibilisierung, einer homöopathischen Eigenblutbehandlung. Sein Zustand besserte sich, aber zufrieden war ich noch nicht. Solange der Hund Ohrenschmerzen hat, besteht Handlungsbedarf.

Ein Bluttest ergab dann, dass er nicht (oder nach der Eigenbluttherapie nicht mehr) auf Umweltallergene (Pollen, Hausstaub, Schimmelpilze etc) reagiert, sondern “nur” auf Nahrungsmittel. Ich ließ dann detailliert analysieren, gegen welche Lebensmittel konkret sich seine Unverträglichkeit richtet:Bodo muss jetzt auf Huhn, Pute und Lamm verzichten. Da ich Allergiker kenne, die auf alles außer Krokodilfleisch reagieren, war ich über dieses Ergebnis einigermaßen erleichtert.

Die Nahrungsumstellung zeigte bei Bodo schon innerhalb weniger Tage eine deutliche Verbesserung. Nun gilt es zu verinnerlichen, dass es bei der Ernährung eines Futtermittelallergikers um 100 Prozent geht, und das auf Dauer. Schon ein kleines Leckerchen mit Hühnerfleisch löst die Beschwerden wie Juckreiz und  Ohrenentzündung wieder aus.

 

Was Naddel und Moses gemein haben

“Wenn es ein Mädchen wird, nennen wir sie Frau Merkel”, unkte ich auf dem Weg zum Tierheim.

Die Mission war klar. Drei Wochen nach dem plötzlichen Tod meines Dackels Felix musste wieder ein Hund ins Haus. “Ganz ohne ist das Leben arm”, hatte ich  festgestellt, und so fuhren wir nach Pollensa in ein kleines privates, von der

Dackel Mix Naddel in jungen Jahren
Naddel wenige Tage nach ihrem Einzug bei uns

Gemeinde unterstütztes Tierheim. Auf der gut eingezäunten Anlage empfing uns ein Rudel von 20 bis 25 frei laufenden kleinen und mittelgroßen Hunden. Der Tierheimchef führte uns durch die Zwingeranlagen und erzählte von den Tieren in den Käfigen. Ein kleiner Zottel gefiel uns, doch der war reserviert.

Wenig später sah ich sie, in einem Zwinger mit unterschiedlichen Welpen. Eine kleine, schwarze Dackelmixhündin, noch jung, vielleicht zwei, höchstens drei Jahre alt. Sie war neben einer Mülltonne in einem Pappkarton gefunden worden, mit zwei eigenen Welpen, die bereits vermittelt waren. Unser Gastgeber bemerkte sofort mein Interesse: “Soll ich sie heraus holen?” – Ich zweifelte: “Geht das gut mit den Freilaufenden?” Er lächelte: “No problema!” Und schon war die Hündin raus aus dem Zwinger.

Graue Hundeschnauze
Die Gesichtsfarbe hat sich deutlich verändert. Aber Naddel ist nur äußerlich grau, wie man an den Augen sieht

Selbstbewusst ging sie an uns vorbei, direkt auf die Gruppe der Halbstarken zu. Nun bot sich uns ein erstaunliches Bild: Vor dem kleinen Dackelmix teilte sich die Meute –  wie das biblische Wasser vor Moses. Die Freigänger standen stramm. Dass sie nicht salutierten, war alles. Keiner traute sich, “Ihrer Hoheit” am Po zu schnuppern oder ähnliche Annäherungsversuche. Sie war ganz klar unantastbar, mit einer Aura groß wie ein Elefant und furchterregend wie ein Löwe. Wir konnten nicht erkennen, ob ihre Lefzen sich bewegten, ein Knurren war jedenfalls nicht zu vernehmen.

Das war ganz klar mein Hund. Heute vor genau neun Jahren verließ sie das Tierheim und startete mit uns in ein neues Leben. Frau Merkel haben wir sie natürlich nicht genannt. Obwohl sie von ihrer Persönlichkeit den Namen durchaus verdient hätte. Wir tauften sie Naddel. Oder einfach “Ihre Hoheit”.

Bodos Gesellenstück

Chihuahua-Mix-Dame Jeannie
Am Anfang schaute Jeannie noch ein wenig misstrauisch, aber das Eis brach schnell

Treue Pfotenpower-Leser wissen, dass wir unseren eigenen Hunden den Titel Sozialarbeiter verliehen haben. Denn es ist immer zu einem guten Teil ihr Verdienst, wenn verängstigte oder geschockte Pflegehunde bei uns Sicherheit und Lebensfreude kennenlernen oder wiederfinden.

So auch diesmal. Vor vier Tagen holten wir eine kleine Chihuahua-Mix-Dame aus der Perrera Son Reus. Sie war schon über zwei Wochen im Heim – doch noch niemand hatte Interesse an ihr bekundet! Sonst gehen  kleinbleibende Hunde weg “wie geschnitten Brot”. Doch Jeannie, wie wir sie nannten, war in dem Zwinger so verstört, dass sie sich ständig in die Hütte zurück zog, niemand sah sie. Sie hat sich quasi, wie de “Bezaubernde Jeannie” aus der beliebten Fernsehserie der 60er Jahre, unsichtbar gemacht.

zwei spielende Hunde
Im Spiel ist Jeannie selbstbewusst, ausgelassen und auch mal zickig. Bodo bleibt gelassen

Als sie bei uns eintraf, traute sie sich nicht zu bewegen. Wir setzten sie in eine offeneTransporttasche, ihre Höhle, in der sie sich sicher fühlte, und gaben ihr Zeit, uns zu beobachten. Ab und an kam einer unserer 4beinigen Sozialarbeiter vorbei und warf einen Blick in die Tasche. Aber sie spürten offensichtlich, dass Jeannie noch nicht für Kommunikation bereit war, und so hielten sie Abstand.

Gegen Abend ging ich mit Jeannie ums Haus. Wir brauchten dafür zwei Stunden, aber sie taute zusehens auf, fand den Garten interessant, duldete ein Kennenlern-Beschnuppern der anderen Hunde, suchte meine Aufmerksamkeit. Sie schlief in ihrer Höhlentasche, die wir im Schlafzimmer platziert hatten.

Am nächsten Morgen lief sie schon fröhlich durchs Haus, bald tollte sie mit Bodo im Garten. Unser Jüngster liefert mit Jeannie sozusagen sein Gesellenstück als Sozialarbeiter ab – Jeannie ist sein erster “Fall”. Auch zu den anderen Hunden und uns Zweibeinern hat die Kleine schnell ein entspanntes Verhältnis entwickelt. Das Eis ist gebrochen.

Den Kampf verloren – Nachruf auf Murphy

Wir weinen um Murphy.

Wir haben so viel gelacht über ihn – er war der witzigste Hund, den ich je kennengelernt habe. Wann trifft man schon einmal einen Hund, der “seine” Menschen ganz gezielt zum Lachen bringen will? Das erfordert eine derart hohe soziale Intelligenz, in dieser Liga spielen nur ganz wenige Hunde. Verschwindend wenige. Und eines dieser seltenen Exemplare hat uns jetzt verlassen. Wir weinen um Murphy. Aber wenn wir uns gemeinsam an ihn erinnern, dann versuchen wir zu lachen, wie er es geliebt hat.

Vor fast genau 8 Jahren lief mir “Das blanke Vorkommnis” hinterher. Und wir wurden es zu

Run free, Murphy
Run free, Murphy

unserem Glück nicht mehr los. So ein Blog wie pfotenpower.com hat nicht nur Wirkung nach außen. Für uns ist es Therapie und Tagebuch, denn wenn man ins Suchfeld “Murphy” eingibt, erscheinen wundervolle Geschichten, Begebenheiten, Erlebnisse. Er spielte die Hauptrolle in You-Tube-Filmen, verweigerte konsequent allen Pflegewelpen jegliche Beachtung und wuchs als Persönlichkeit, je länger er bei uns war. Wie auch sein Fanklub immer größer wurde. Er kämpfte für Naddel, um seine Decke  und gegen Ratten.

Seinen Kampf gegen den Krebs focht Murphy lange alleine. Als wir bemerkten, dass mit ihm etwas nicht stimmte, war es viel zu spät. Als wolle er die Aussichtslosigkeit für sich behalten, unser Lachen konservieren, hielt er seinen Zustand trotz intensivster Diagnose geheim bis zur heutigen Operation, aus der er nicht mehr aufwachte.

Gleich gehen wir los und bringen seinen Körper zum Schluß. Zum Anfang, wo er mich gefunden hat. Der Kreis schließt sich. Wir weinen um ihn und wir werden immer lachen über ihn. Danke für die Zeit, Murphy.

Schwarz, grau, weiß

“Na, die ist aber grau geworden”, sagen Besucher, die Naddel länger nicht gesehen haben. “Sie ist nicht grau, sie wird weiß”, entgegne ich dann. “Das liegt aber nicht am Alter. Naddel ist ein Lipizzaner!”

naddel_grau
Erst nur einige weiße Härchen um die Schnauze, inzwischen verfärbt sich schon fast das ganze Gesicht. Naddel ist nicht mehr die Jüngste – aber das ist nur äußerlich!

Nicht-Pferde-Freunden muss ich dann erklären, dass diese berühmten weißen Pferde mit dunkler Haarfärbung zur Welt kommen und erst im Alter von sechs bis 10 Jahren weiß werden. Bei Naddel ist das natürlich Quatsch… sie fühlt sich zwar groß, ist aber noch lange kein Pferd. Ihre Weißfärbung hat tatsächlich mit dem Alter zu tun.

Allerdings kann man nicht von der Graufärbung auf die Zahl der Lebensjahre schließen. Das ist wie beim Menschen: Der eine behält seine jugendliche Original-Farbe bis ins fünfte oder gar sechste Lebensjahrzehnt. Der andere muss schon mit knapp über 30 zur chemischen Färbung greifen, um die hellen Strähnen zu kaschieren.

Das werden wir bei Naddel nicht machen. Aber wenn wir ihr sonst beim Älterwerden helfen können, keine Frage. Was man homöopathisch unternehmen kann, um einige Altersgebrechen zu lindern oder herauszuzögern, lesen Sie hier

Nächste Station: Gartenschlauch

Wer das eine will, muss das andere mögen – einen Hund zu halten, bedeutet nicht nur Spaß. Beispiel Körpergeruch. „Ach, mit Ihrem Geruch kommen Ihre Hunde schon klar“, scherzen Sie vielleicht. Kein Scherz – manchmal stinken uns die Hunde ganz schön!

Denn was Parfum angeht, sind unsere Geschmäcker mehr als konträr. „3-Tage-toter-Fisch“ auf der Vierbeiner-Seite, „Chanel No 5“ auf der meinen. Von Exkrementen verschiedener Säugetiere (und Menschen!!!) sind meine Hunde ebenfalls gelegentlich sehr angetan, während ich auf diese Geruchspröbchen prima verzichten kann.

Station Gartenschlauch: Einmal entstinken bitte - gekuschelt wird danach

Ganz heftig traf es uns vor einigen Tagen, als mir Charly entwischte. Er hat nach Spaziergängen häufig noch keine Lust auf Zuhause und nutzt jede Chance zu entkommen. Diesmal sollte er nur einen Meter vom Auto über den Bürgersteig durch die Gartenpforte. Er hatte den Kopf schon im Ziel, als er plötzlich blitzschnell umdrehte und die Flucht ergriff. Da nützt kein Rufen, kein Locken, kein Schimpfen. Charly geht stromern. Er kommt immer nach akzeptabler Zeit zurück, spätestens zur Abendessenzeit. Diesmal – und das ist nicht übertrieben – rochen wir ihn, bevor wir ihn am Torgitter sahen.

Er stank entsetzlich. Sein Fell war mit einer widerlichen Masse verklebt, in der er sich ausgiebig gewälzt haben muss. In der Schnauze trug er stolz eine eingepackte Mettwurst, offensichtlich ein Relikt aus dem vergangenen Jahrhundert. Er fand sich unheimlich toll und verstand nicht, warum wir nicht kuscheln wollten, wo er sich doch sooo freute, wieder zu Hause zu sein. Immerhin war Campino hin und weg, womit auch sein Parfum-Geschmack geklärt wäre.

Eines muss man Charly zugute halten: Er trägt die Folgen seines Fehlverhaltens ohne zu jammern. Auch diesmal wehrte er sich nicht, während wir ihn sorgfältig am Gartenschlauch mit Babyshampoo einseiften und anschließend ausgiebig abduschten. Zur Belohnung war dann später, nachdem er wieder trocken war, ausgiebiges Kuscheln angesagt – jetzt konnten wir uns wieder riechen.

Übrigens – ein regelmäßiges Bad bekommt keiner unserer Hunde (ausser das freiwillige im Mittelmeer). Der gesunde, normal duftende Hund muss nicht turnusmäßig gewaschen werden. Im Gegenteil – zu häufiges einseifen kann seiner Haut schaden.