Hanoi – ein Tag

Goooood Morning Vietnam!!!! Wenn auch dieser Satz in Reiseblogs inflationär verwendet wird…

Tausende von Mopeds knattern durch Hanoi. Über die Straße gehen erfordert Mut oder wenigstens Ignoranz

Tausende von Mopeds knattern durch Hanoi. Über die Straße gehen erfordert entweder Mut oder Ignoranz

Das abendliche Ankommen und Treffen mit Nichte Neele am Flughafen Hanoi hat geklappt, unser Fahrer erwartete uns, und wir waren vor Mitternacht in unserem Hotel in der Altstadt von Hanoi. Nach der ersten Nacht haben wir jetzt genau einen Tag, die Stadt zu erkunden.

Hanoi gilt als extrem überbevölkert, und die Straßen sind super voll. Vor allem Mopeds knattern rum, zu Tausenden, in alle Richtungen. Will man eine Straße überqueren, wartet man nur eine ganz kleine Lücke auf der nächstgelegenen Fahrbahn ab, dann geht man mutig los. Wichtig: Tempo halten. Solange man stur vorwärts geht, können die anderen Verkehrsteilnehmer einschätzen, wann sie wo passieren können. Gebremst wird nicht. So fließt der Verkehr, wenn auch mit viel Gehupe, aber in alle Richtungen.

Dieses Foto war kostenpflichtig

Dieses Foto war kostenpflichtig

Wir laufen zur Tran Quoc-Pagode, die älteste des Landes. Nahe dran, wo sich schon mehr Touristen als Einheimische tummeln, springt eine Obstverkäuferin auf uns zu, legt Neele die Stange ihres Traggeschirrs auf die Schulter und den Hut auf den Kopf: „Foto, Foto!“ – Klar, wenn wir darauf eingehen, will sie Geld sehen. Ich entscheide mich trotzdem dafür. Nehme anschließend selbst die Tragestange auf die Schulter und staune, wie schwer die Frau schleppen muss. Wir kaufen ihr dann noch Bananen und Ananas ab, müssen rabiat um den Preis verhandeln, haben aber auch unseren Spaß und unsere Fotos – und sie dürfte auch zufrieden sein mit uns dummen Touristinnen.

Mir schwant schon nach diesen ersten Eindrücken auf den Straßen Hanois, dass Vietnam nach vorne will. Die Stadt pulsiert, die Menschen bewegen sich – das setzt sich fort bis hinein in den Pagoden-Tempel. Mehrmals werden wir vor dem Altar rüde zur Seite gedrängelt nach dem Motto: „Weg da, ich muss beten!“ Sehr ungewohnt nach der zurückhaltenden Art, die ich von Kambodschanern und Laoten kennen gelernt habe.

Hier ruht "Onkel Ho", wie die Vietnamesen ihren Held nennen

Hier ruht „Onkel Ho“, wie die Vietnamesen ihren Held nennen

Der weitere Spaziergang führt uns zum Mausoleum von Ho Chi Minh. Ihn selbst sehen wir nicht, da die Besuchszeit schon um 10.30 Uhr endet. Aber es ist schon beeindruckend, vor dem Gebäude zu stehen, in dem der 1969 verstorbene, von den Vietnamesen über alle Maßen verehrte Präsident und Volksheld einbalsamiert liegt.

Am Bahnhof kaufen wir uns Fahrkarten für den Nachtzug nach Dong Hoi in zwei Tagen, bevor wir ins Französische Viertel gelangen. Plötzlich stellen wir erstens fest, dass wir langsam Hunger bekommen, und zweitens, dass es quasi um die Ecke ein „Vegetarisches Restaurant“ gibt. Wir haben einen Plan. Finden das Gasthaus auch ziemlich schnell, bekommen nach kurzer Wartezeit einen Sitzplatz. Schlagen die Karte auf und müssen lachen: Es gibt zwar vegetarische Gerichte, aber auch reichlich Speisen mit Fleisch-und Fischanteil.

Kneipe in Hanoi. Nicht wirklich gemütlich, aber für uns originell

Kneipe in Hanoi. Nicht wirklich gemütlich, aber für uns originell

Am späten Nachmittag trödeln wir durch „Die 36 Straßen“ der Altstadt, dem alten Gewerbeviertel. Hier fand sich zu früherer Zeit in jeder Straße eine Zunft, entsprechend gibt es die Seidenstraße Hang Dao, die Ledergasse Hang Da, die Silberstraße Hang Bac und so fort. Natürlich lassen wir uns nahe dem Hoan Kiem-See durch das berühmte Wasserpuppen-Theater verzaubern. Und danach machen wir es so, wie viele Touristen und noch mehr Einheimische: Wir nehmen auf winzigen Plastikhöckerchen vor einem Lokal Platz und bekommen Getränke und unseren Imbiss auf nur wenig größeren Holzhöckerchen serviert, während wir das Treiben auf der Straße beobachten. Leider tut mir nach knapp zwei Stunden der Allerwerteste so weh, dass ich keinen Moment länger sitzen kann. Und dann brummt mir auch noch am nächsten Morgen der Schädel – was nicht an der Menge, sondern nur an der Qualität der zwei gezapften Biere liegen kann. Aber sonst war Hanoi klasse.

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