Downtown und Comedy

Los Angeles ist also doch nicht nur Film und Stars. Unser zweiter Bustag führt uns nach Downtown, ins Zentrum der Stadt außerhalb der Unterhaltungsindustrie. Wir fahren durch das Bankenviertel, in dem – wie eigentlich überall – die größten, teuersten und protzigsten Bauwerke der Stadt stehen. Wir passieren China Town und machen einen Abstecher nach Little Tokyo. Schilder weisen in Stadtteile, die auf eine hohe Anzahl von indischen oder koreanischen Einwanderern schließen lassen. LA ist super international. Die freundliche Stimme vom Band erklärt uns, dass rund die Hälfte der Einwohner aus Einwanderern besteht. Die wichtigste Information heute aber besteht aus Tipps, wo Reisende gut shoppen können. Danke, kein Bedarf.
Fast überall sehen wir Zelte von Obdachlosen. Ihre Zahl ist riesig, recherchiere ich später. Mal spricht man von 40.000, mal von 70.000 Menschen ohne festen Wohnsitz. Gründe sind sicher zum einen illegale Migranten, aber auch die exorbitant hohen Mieten und die schwache Sozialleistung des Staates. Und so finden wir sie omnipräsent. Außer im Bankenviertel. Das ist sauber. Jedenfalls äußerlich.
Zurück nach Hollywood brettert der altersschwache Bus über den Highway. Uns bleibt noch eine Tour hinauf auf den Berg. Den Besuch des Unterhaltungsparks der Paramount-Studios schenken wir uns, dafür bräuchten wir einen zusätzlichen Tag. Doch wir spazieren durch den Village Walk, der sich als riesiges Shopping Center mit Film-Merchandising Produkten entpuppt. Hier kann jeder viel Geld ausgeben für Dinge, die der Mensch wirklich nicht braucht, zu exorbitanten Preisen. Teuer ist es hier in Los Angeles eh, wissen wir inzwischen. Alleine fürs Essen kann man schon ein ordentliches Budget veranschalgen, und wir brauchen ja auch noch Geld für andere Zwecke. Aber sorgt euch nicht, noch brauchen wir keine Care Pakete.
Wir brauchen Schlaf! Die letzte Nacht endete um zwei Uhr (Man muss das positiv sehen, ich hatte viel Zeit zum Lesen). Folge: Nachmittags um halb drei steige ich aus dem Bus und verabschiede mich vom Fahrer mit einem freundlichen „Gute Nacht!“
Wir raffen uns trotzdem abends auf und gehen in einen kleinen, unbekannten Comedy Club. Die Bühne ist etwa doppelt so groß, wie mein Esstisch zu Hause, der Veranstaltungssaal bietet kaum mehr Platz als mein Wohnzimmer. Die Stand up Comedians, die sich ab 21 Uhr am Open Mic versuchen, scheinen sich alle zu kennen und sind ganz aufgeregt, dass zwei echte Zuschauer im „Saal“ sind, und das aus Deutschland.  Wir werden immer wieder in die Acts mit einbezogen, was etwas anstrengend ist. Es kommen aber erstaunlich wenig Witze auf unsere Kosten. Dafür nehmen die Hobby Comedians so ziemlich jede „Randgruppe“ aufs Korn, ob Homosexuelle, Juden oder Frauen. Für uns ein weiterer interessanter Einblick in die amerikanische Gesellschaft.

 

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