Dramatik

Es ist Zeit, Vegas hinter uns zu lassen. Aber vorher haben wir noch eine Mission zu erfüllen. Denn gestern, auf dem Weg zum Sphere, kamen wir an einem Nachbau des Trevi Brunnens (Original in Rom) vorbei und sahen was? Eine Gänsemutter mit einem Küken, nur wenige Tage alt. Die Gans war mega besorgt um ihr Kleines, und das nicht grundlos. Denn während die Mutter nur ihre Flügel ausbreiten muss, gibt es für das Küken keine Chance, diesem Brunnen zu entkommen. Bis es flügge ist. Und das dauert etliche Wochen. Wovon soll es hier leben?

Noch nachts, nach der Rückkehr vom Sphere, schreibe ich an das Caesars Hotel, das den Brunnen betreibt. Heute morgen dann packen wir unser Gepäck ins Auto und laufen noch einmal zum Trevi-Replikat. Schon aus einiger Entfernung hören wir besorgte Gänserufe, was unsere Sorgen um das Kleine noch verstärkt. Als wir aber den Brunnen erreichten, kommt gerade das Küken aus einem Versteck heraus zur Mama gewackelt. Und nicht nur das: Zwei Mitarbeiterinnen des Hotels machen sich gerade ein Bild von der Lage. „Die Mutter ist super protektiv“, erklärt mir die eine Frau, „die können wir alleine nicht einfangen. Meine Kollegin telefoniert gerade mit unserem Boss, er ruft den Tierschutz.“ Ob die Rettung jetzt aufgrund meiner Kontaktaufnahme erfolgt oder nicht – uns fallen echte Felsbrocken vom Herzen. Die junge Frau erzählt dann noch, dass in Vegas durchaus Kanadawildgänse und andere Wasservögel lebten. Und wir sehen kurz darauf auch auf anderen Wasserflächen welche schwimmen. Wovon sie sich ernähren, ist mir allerdings schleierhaft.

Da wir nun noch einmal auf dieser Seite des Strips sind, schauen wir uns noch einmal in Ruhe das Hotel Venetian an – ein weiterer Teil in diesem Paralleluniversum. Venedig auf amerikanisch, mit Gondeln, einer Rialtobrücke und Markusturm. Vor dem Gebäudekomplex parkt gerade eine dieser extra langen Stretchlimousinen – ich kann nicht anders, für ein Foto stelle ich mich mal ganz kurz daneben. Las Vegas übertreibt irgendwie mit allem. Und wir sind froh, es gesehen zu haben, und erleichtert, dass wir wieder fort dürfen.

Und wieder erwartet uns ein krasser Gegensatz. Unsere nächste Unterkunft ist ein kleines Farmhaus auf dem Land, irgendwo im Nirgendwo, in der Wüste Arizonas. Wir sind kaum zwei Stunden hier, als ein leichtes Gewitter den Himmel verfärbt, wie es an Dramatik kaum zu überbieten ist. Und wenn es nicht gerade donnert oder der Regen aufs Dach prasselt, dann hören wir – nichts.

Yesterday

Tomorrow