Besuch aus der Vergangenheit

Was für eine Freude! 2005 gaben wir die schwarze Hündin Sombra an eine junge Tierärztin, die mit ihrem Mann am Bodensee lebt. Und jetzt kamen sie uns besuchen – im entgegengesetzten Teil Deutschlands.

Tina, Eberhard, Sombra und ihr vierbeiniger Kollege Henry verbrachten ihren Urlaub an der Nordsee, in Sankt Peter Ording (wird unter Hundehaltern häufig empfohlen wegen der traumhaften Hundestrände). Das ist immerhin schon im gleichen Kreis (Nordfriesland), wenn auch immer noch 80 Kilometer entfernt. Trotzdem folgten sie meiner Einladung, kamen vorbei und stellten ihr altes Mädchen vor. Um die 16 Jahre alt ist sie, genau wie mein Naddelchen. Schade, dass wir es verpasst haben, ein Foto von beiden grauhaarigen Hundedamen zusammen zu machen.

Unter diesem Link habe ich die Geschichte von Sombra geschrieben. Was für einen lieblosen Start ins Leben sie gehabt haben muss – sie macht es richtig, lässt ihr Happy End extra viele Jahre dauern.

 

Unsere Geschichte der O.

Sie denken vielleicht, das ist alles ganz einfach und geht seinen natürlichen Gang. Huhn frisst und legt Eier. Huhn brütet und bekommt Kinder. Kinder wachsen, werden Hühner, fressen, legen Eier, brüten… Soweit die Idealvorstellung. Im vergangenen Jahr klappte das auch einigermaßen. Es endete damit, dass sich zwei Hühner das Sorgerecht für fünf Küken teilten. Immerhin.

Mit ein wenig Nachhilfe zum “Bruterfolg” – Madame O.

In diesem Jahr begann das Drama im Februar, als Madame O. beschloss zu brüten. Nach zehn Tagen stellte ich fest, dass unser Hahn zwar wunderschön war, aber offenbar nicht sehr fruchtbar. Ich entsorgte also die Eier und holte die Henne zurück in die Realität. Vor drei Wochen beschloss sie erneut, Mutter werden zu wollen. Guuuut, dachte ich… und kaufte Bruteier. Leider war Madame O. unkonzentriert. Mehrmals irrte sie sich bei der Rückkehr von ihrem täglichen Versorgungsausflug (auch werdende Mütter müssen einmal täglich picken und trinken) im Nest und setzte sich neben ihre Eier. Diese blieben zu lange kalt. Wieder war kein Bruterfolg abzusehen. Dummes Huhn…

Aber sie wollte nicht aufgeben und brütete stur weiter auf eingebildeten Eiern. Und auch ich hatte mich sooo auf die kleinen Küken gefreut. Das Ende vom Lied? Nicht allzuweit entfernt bot jemand Orpington-Küken zum Kauf an. Noch ganz jung und somit zur Adoption geeignet. Und mit Adoption kenne ich mich aus dem Tierschutz doch aus.

Ich betete, dass Madame O. mit dieser Aufgabe nicht überfordert wäre und brachte sie mit sieben Zwergen im Extra-Stall unter. Anfangs guckte sie völlig erschreckt. Irgendwie kam ihr das nun zu plötzlich. Aber dann steckte ich ihr ein kleines Flauschbällchen unter einen Flügel. Und wenige Stunden später ein zweites (die anderen wärmten sich derweil unter einer Rotlichtlampe). Und dann ein drittes. Am zweiten Vormittag schob ich Madame O. ganz vorsichtig das vierte Küken unter. Als ich wenige Stunden später mein hoffnungsvolles Werk fortsetzen wollte, kam ich zu spät. Die Henne hatte offensichtlich den Überblick verloren und konsequent alle sieben adoptiert. Tschilp und tschacka!!!

Freude am Leben

Das Thema Abschied verfolgt mich weiter. Heute mit einem eher skurrilen Erlebnis.

Wir besuchten Freunde an der Ostsee und nutzten den trockenen Himmel für einen Spaziergang am Hundestrand. Nur nebenbei bemerkte ich eine Gruppe von Leuten, die von einem Parkplatz aus aufs Wasser zuliefen. Es waren Erwachsene, Kinder und Teenager, und einige trugen Blumen in der Hand. Als die erste Frau eine Nelke warf, war es schon zu spät. Bodo trippelte kurz hin und her, ihm schwante wohl, dass die Ostsee eher kalt ist, dann überwand er sich und schwamm los. Was ein echter Apportierjunkie ist, lässt sich von norddeutschen Temperaturen nicht blockieren. Brav nahm er die Nelke ins Maul und brachte sie an Land, um sie vorbildlich der Frau zu Füßen zu legen mit der ganz deutlichen Aufforderung: Nochmal bitte.

Erst jetzt ging mir auf, dass die Gruppe offensichtlich eines Verstorbenen gedenken wollte. Bodo paddelte schon wieder vergnügt hinaus, um weitere Blumen zu holen, und ich war jetzt so nah an der Gruppe, dass ich ihre Gespräche hören konnte: „Guck mal, was der Hund schafft. Jetzt müssen wir lachen, obwohl wir so traurig sind“, erklärte ein Erwachsener einem jungen Mädchen. Jemand anders meinte: „Unser Abschied von Opa wird ein unvergessliches Erlebnis…“ Manche der Anwesenden versuchten sichtlich Fassung zu wahren, konnten sich aber das Lachen über Bodos Übereifer nicht verkneifen. Ich entschuldigte mich und meinte: „Hoffentlich mochte die Person, von der Sie sich verabschieden, Hunde!“

Es war eine seltsame Situation, aber den Trauernden schien Bodos unbändige Lebensfreude, sein unschuldiger Spieltrieb gut zu tun. Dennoch versuchte ich diskret, ihn wegzurufen. Bodo wollte natürlich weiterhin Blumen apportieren – erst mein Stöckchenwurf konnte ihn überzeugen, sich uns wieder anzuschließen. Ich hoffe, sein Einsatz als Zeremonienmeister bleibt in guter Erinnerung.

Campinos Reise – Nachruf

Wenn ich an die zehn Jahre mit Campino denke, erinnere ich mich vor allem an Überraschungen. Zuletzt, als er mit uns nach Deutschland ziehen sollte. Ich befürchtete, er würde vor Panik zergehen, alleine in einer Kiste im Flieger. Also schmuggelte ich ihn in Charlys Transportkiste. Illegal, mir egal, ich wollte das Beste für mein Pinchen. Als ich die Hunde in Hamburg aus der Box holte, stellte ich fest, dass Campino Charly beruhigt hatte, nicht umgekehrt.

Er wuchs so oft über sich hinaus. Ich erfuhr damals, vor 10 Jahren, von einem Hund ohne Zukunft, im Tierheim der Sonnenhunde. Schwer an Leishmaniose erkrankt und voll panischer Angst vor Menschen – unvermittelbar. Wir boten ihm einen Pflegeplatz, wir wollten ihn gesund pflegen und sein Vertrauen in Menschen zurückgeben, so dass ihn eine liebe Familie adoptieren konnte.

Von Vertrauen zurückgeben war keine Rede. Was auch immer diesem Hund angetan wurde, er hatte noch nie eine positive Erfahrung mit

Portrait von Campino im Garten
Mach’s gut, Kleiner. Danke für die schöne Zeit

Menschen gemacht. Er hatte noch nie auf einen Namen gehört. Es dauerte lange, bis er Menschen nicht mehr mit Angst, Leid, Schmerzen verknüpfte. Es dauerte noch länger, bis er Menschen als etwas Gutes ansah. Als ich eines Tages feststellte, dass er sich über Besucher freute, war ich sehr glücklich. Das war lange nachdem wir eingesehen hatten, dass Campino für immer bei uns bleiben musste.

Sein Leben lang verband er Orte mit Erinnerungen.Vielleicht war das sein Trick, Platz zu schaffen – Lebensraum, der frei von bösen Geistern ist. Er lernte schnell, dass ein Auto positiv ist, weil man damit zu schönen Plätzen fährt, wo man tolle Ausflüge macht. Im Auto hatte er nie Schmerzen erfahren. Im Auto konnte er das erste Mal körperliche Berührungen ertragen. Und auf der Couch. Noch nie hatte ihn jemand auf der Couch gequält. Kunststück – wer hätte ihm jemals einen Platz auf der Couch anbieten sollen?

Und obwohl wir Menschen in seinen Augen potentiell gefährlich waren, entwickelte er sich doch zum treuen Freund. Er wusste, wo er hingehört. Bei seinem letzten Umzug mit uns, von Mallorca nach Deutschland, ließ er noch einmal einen großen Sack alter Belastungen auf der Mittelmeerinsel zurück. Nordfriesland war sicher, hier war ihm nie Leid geschehen. Seine beiden letzten Jahre hier, zwischen den Deichen, hat er unendlich genossen. Endlich konnte er entspannt auf Menschen zugehen. Seine Flucht war beendet. Er war angekommen.

In seinen letzten Lebenstagen musste er leider noch einmal Schmerzen ertragen durch einen Bandscheibenvorfall in der Halswirbelsäule, der ihn komplett lähmte. Aber Campino wusste voller Vertrauen, dass wir ihm helfen wollten. Als keine Aussicht auf Heilung bestand, machten wir das Einzige, was wir noch für ihn tun konnten, wir erlösten ihn. Seine letzte Ruhestätte findet er im Herrenkoog, wo er schon vorher seinen Frieden gefunden hatte.

Erst prüfen, dann teilen

Eine Sprachnachricht wird aktuell über whatsapp verbreitet: In Rendsburg sei es in letzter Zeit vermehrt zu Hundediebstählen gekommen. Der Text ist mit Details geschmückt, etwa dass ein Hund am Kinderwagen angebunden war und als der Besitzer aus dem Laden kam, war der Hund weg („…das Kind zum Glück noch da“). Dazu gibt es gleich eine zweite Sprachnachricht, „Hier bei uns“ – Ort wird nicht genannt – werden ganz viele Hunde geklaut, direkt aus den Gärten, der Besitzer findet dann nur noch das Halsband vor der Haustür.

Fake News: Weihnachtsmann vermisst! Gefunden wurde nur die Mütze.

Spätestens an dieser Stelle werde ich misstrauisch. Wer einen Hund klaut, lässt das Halsband zurück? Mal ernsthaft – wer teilt so einen Unsinn?

Bevor auch ich panisch auf „weiterleiten“ drücke, rufe ich lieber die Polizei Rendsburg an. Der diensthabende Beamte lacht auf, als ich mein Anliegen erkläre: „Sie sind heute gefühlt die dreihundertste Anruferin“. Ihm sei aus den letzten sieben Tagen das Verschwinden von zwei Hunden bekannt. Mehr seien nicht zur Anzeige gebracht worden.

Auch die Dame aus meinen whatsapp-Kontakten rudert zurück. Ich hatte ihr geraten, die „Info“ nicht weiter zu teilen, da ich sie für einen Fake halte. Sinnigerweise fragt sie mich, ob ich denn schon den Tierschutzverein angerufen hätte. Das was sie verpasste, bevor sie auf „teilen“ klickte. Wenig später merkt sie kleinlaut an, dass es sich wohl tatsächlich um eine absichtlich verbreitete Falschmeldung handelt. Und beklagt sich, wie man so mit den Ängsten der Menschen spielen könne.

Ja, das ist böse und gemein. Aber jeder, der solche Räuberpistolen ungeprüft über Nachrichtendienste und soziale Medien teilt, stellt sich in den Dienst dieser gar nicht guten Sache. So etwas verbreitet weit mehr Panik, als die tatsächliche Gefahrenlage verlangt. Die Unsicherheit der Menschen im relativ sicheren Deutschland ist nicht zuletzt deshalb so groß, weil immer wieder Fake-Nachrichten Ängste schüren. Teilt lieber etwas Schönes, etwas zum lachen, auch gerne zum Nachdenken, oder dies: Wir wünschen fröhliche Weihnachten ohne schlechte Nachrichten!!!

 

Mein neues Buch

Mein neuer Ratgeber für alle Hundefreunde ist da! Tierisches Risiko – Parasiten und Prophylaxe beim Hund (ISBN 9783748165286 / 240 Seiten / 18,90 Euro).Erhältlich ab sofort in allen Buchhandlungen und HIER (klicken)

Zum Inhalt: Monatlich ein Spot on gegen Flöhe und Zecken, vierteljährlich die Wurmpille und jedes Jahr ein kleiner Pieks, die Impfung: Für die meisten Hunde seit Jahrzehnten Standardprogramm. Gleichzeitig steigt die Zahl der chronischen Erkrankungen – gibt es da einen Zusammenhang? Das Misstrauen der Halter wächst. Sie wollen das Beste für ihr Tier, doch die Unsicherheit ist groß.
Dieses Buch klärt auf: Welche Gefahr droht wirklich durch Parasiten? Für welche Hunde sind Prophylaxe-Maßnahmen unerlässlich? Drohen Nebenwirkungen durch die Medikamente, gibt es sichere Alternativen? Welche Impfungen müssen sein und wie oft? Auf welche kann man, auf welche sollte man verzichten?
Fundiert, verständlich und gewohnt unterhaltsam liefert Tierheilpraktikerin Annette Dragun Antworten auf drängende Fragen und Tipps zur Vorsorge. Dabei liegt ihr Schwarz-Weiß-Malerei fern. Weder verteufelt sie die Schulmedizin noch verherrlicht sie die alternativen Therapien. Ihr Prinzip lautet: Alles zu seiner Zeit, und alles zum Wohl des Patienten.