Die wachsende Macht der Verbraucher

Die Macht der sozialen Netzwerke? Nur sechs Tage, nachdem Peta Deutschland eine Kampagne zur Beendigung des Kleintierverkaufs bei der Baumarktkette OBI startete und dabei im Rahmen einer Petition über 50.000 Stimmen sammelte, gab das OBI heute bekannt, den Verkauf von Kleintieren wie Meerschweinchen, Kaninchen und Hamster einzustellen.

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NIedliche Hamster, Kaninchen und andere Kleintiere werden im Einzelhandel angeboten. Wo sie herkommen, recherchierte jetzt Peta – foto: Jürgen Hüsmert / pixelio.e

Die meisten Baumarkt-Kunden machen sich keine Gedanken, wenn sie an Käfigen mit niedlichen Hamstern, Meerschweinchen oder Farbratten vorbei gehen. Woher die Tiere kommen, hat bisher niemanden interessiert. Die Tierschutzorganisation Peta schaute hinter die Kulissen und fand entsetzliche Zustände. Aus der Pressemitteilung: “Die PETA-Recherchen ergaben, dass Unternehmen wie OBI einen großen Teil ihrer Tiere mittels zwischengeschalteter Großhändler aus tierquälerischen Zuchtanlagen in den Niederlanden und Deutschland beziehen. In diesen Betrieben werden jedes Jahr viele Tausend Meerschweinchen, Hamster, Kaninchen, Ratten und Mäuse in überfüllten Käfigen oder winzigen Plastikboxen „produziert“. Die Tiere wurden derart vernachlässigt, dass viele von ihnen schon in den Zuchtanlagen starben, verdursteten oder Verletzungen und Erkrankungen aufwiesen; unzählige vegetierten inmitten ihrer eigenen Ausscheidungen dahin. Bei einigen der sensiblen Lebewesen führte der Stress der engen und intensiven Gefangenschaft zu Kannibalismus. PETA-Ermittler haben neben den Massenzuchtanlagen auch stichprobenartig die Bedingungen bei kleinen Züchtern dokumentiert –  hier herrschen ebenso extrem schlechte Zustände.”

Dass OBI nur wenige Tage nach Enthüllung der Missstände ankündigte, den Verkauf von Kleintieren einzustellen, ist ein weiterer Beweis für die durch die sozialen Netzwerke wachsende Macht der Verbraucher. Man pflegt als Unternehmen schließlich einen Ruf, man sollte es sich mit dem Klientel nicht verscherzen. Und ein paar Millionen Facebook- und Twitter-User können kräftig Stimmung verbreiten. Unter diesen Umständen hat OBI keine Zeit verloren und konsequent reagiert, und somit eine Pressekampagne, die sehr böse hätte enden können, zu eigenem Gunsten umgekehrt.

In Spanien werden weiterhin Hunde- und Katzenwelpen in Einzelhandelsgeschäften angeboten. Und selbstverständlich auch unendlich viele Kleintiere. Hier passieren viele (gute) Dinge einige Jahre später. Aber auch hier stehen die Uhren nicht still.